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„Shahada“ im Kino

Shahada

Eine Bekehrung zum Islam lässt sich im Grunde kurz und bündig vollziehen. Man muss nur vor einem Zeugen das zentrale
Bekenntnis
ablegen, dass es außer Allah keinen Gott gibt, und dass Mohammed dessen Prophet ist. Diese Formel, Shahada genannt, umkreist Burhan Qurbani in seinem danach benannten Film. Der junge deutsch-afghanische Regisseur (siehe Interview in tip 4/2010) erzählt die ineinander verschlungenen Geschichten von Menschen in Berlin, die alle „Söhne und Töchter der Sehnsucht“ sind. Mayram hat gerade auf eigene Faust einen Schwangerschaftsabbruch mit Medikamenten vorgenommen und weiß nun nicht, wie sie die Blutungen stoppen soll. Der Polizist Ismail trifft bei einer Razzia in einem Großmarkt die Bosnierin Layla wieder, mit der ihn eine tragische Geschichte verbindet.
Und der Nigerianer Samir ist in seinen Kollegen Daniel verliebt, weiß aber nicht, wie er das mit seinem Glauben und den Reinheitsvorstellungen des Islams in Einklang bringen könnte.
Sie alle haben irgendwie mit der muslimischen Gemeinde zu tun, die Mayrams Vater Vedat leitet. Er ist ein „gutmütiger Imam“, der sich durch die dramatischen Ereignisse in „Shahada“ plötzlich mit Vorstellungen von einem strengen Gott konfrontiert sieht.
Burhan Qurbani hat die verschiedenen Handlungsstränge in Kapitel strukturiert, deren Titel der muslimischen Frömmigkeit entnommen sind: Al Hadj (Der Weg), Al Jalat (Die Hingabe), Al Sahat (Das Opfer), Al Saum (Die Selbstaufgabe), und schließlich Al Shahada, die Entscheidung für einen Weg. Aber schon die Weise, wie diese Motive mit der Geschichte relativ dürftig vermittelt werden, lässt erkennen, dass der Islam eher so etwas wie eine ambivalente Attraktion in „Shahada“ darstellt als einen wirklichen Gegenstand der Auseinandersetzung. Diese müssten nämlich die Figuren vollziehen, sie bleiben aber in einer schemenhaften Psychologie befangen, sie sind eher Thesenträger als nachvollziehbare Individuen. Der Islam erscheint in „Shahada“ als eine schon auf die westliche Rezeption hin zugespitzte Formel, von einer gelebten Religion bleiben nur Andeutungen und ein, zwei flotte Sprüche.

Text: Bert Rebhandl

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Shahada“ im Kino in Berlin

Shahada, Deutschland 2009; Regie: Burhan Qurbani; Darsteller: Maryam Zaree (Maryam), Jeremias Acheampong (Samir), Carlo Ljubek (Ismail); 95 Minuten

Kinostart: 30. September

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