Dokumentarfilm

„Shalom Italia“ im Kino

Mit über 90 endlich Frieden finden

Foto: Tamal Tal

Einmal kräftig in den Wald hineinrufen – eine bewährte Strategie gegen das Unbehagen, das einen zwischen den Bäumen beschleichen kann. Für drei hochbetagte Männer aus Israel, die in der Toskana in den Laubwäldern herumstapfen, ist ein lauter Ruf aber mehr als nur ein spielerisches Aufbegehren gegen die Übermacht der Natur. Wenn sie in den Wald rufen, rufen sie auch in die Geschichte.
Denn in dieser Gegend, in der man sich leicht verirren kann, haben sie 1943 Zuflucht gefunden, im allerletzten Moment, vor dem Zugriff der Deutschen, die auch in Italien damals ihre Vernichtungspolitik durchzusetzen versuchten. Emmanuel, Andrea und Ruben, drei ­Brüder, alle im neunten Lebensjahrzehnt, begleiten wir in dem Dokumentarfilm „Shalom Italia“ dabei, wie sie nach vielen Jahrzehnten diesen Ort suchen, an dem sie sich damals versteckt haben: eine Höhle, die scheinbar nicht mehr aufzufinden ist.
Die idyllische Landschaft, die heute vor allem als Reserveparadies für stressgeplagte Touristen dient, bekommt hier eine ganz andere Dimension, wobei ein guter Schluck Wein abends am Kaminfeuer durchaus eine Rolle spielt. Einer der Brüder ist Archäologe, er ist die treibende Kraft hinter der Expedition, in der nicht nur die drei Juden aus Israel, sondern auch anständige Italiener eine Rolle spielen. Wir sind ein Volk, das von Erinnerungen lebt, heißt es einmal. „Shalom Italia“ zeigt ­einen Versuch, mit diesen Erinnerungen (und ­Italien) einen Frieden zu finden.

Shalom Italia ISR/D 2016, 72 Min., R: Tamar Tal, Start: 4.5.; 6.5., 17 Uhr, Moviemento: Tamar Tal zu Gast

Mehr über Cookies erfahren