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„Shanghai“ im Kino

Shanghai

Bis zur Okkupation durch die Japaner im Zweiten Weltkrieg war Shanghai die aufregendste Stadt Asiens. Ein Sündenbabel, wo windige Geschäftemacher, Glücksritter und Abenteurer aus aller Welt sich in Spielkasinos, Bordellen oder Opiumhölen tummelten und allen erdenklichen Lastern frönten. Ein gefährliches Pflaster, wo Gangster regierten, wo korrupte Beamte und Agenten ausländischer Mächte ihr Unwesen trieben, wo sich Anhänger der chinesischen Nationalisten und Kommunisten bekriegten.
Hier trifft 1941 Paul Soames vom US-Geheimdienst ein, um den mysteriösen Mord an einem befreundeten Kollegen aufzuklären. Bei Ermittlungen im unübersichtlichen Spannungsfeld verfeindeter Interessengruppen muss Soames selber um sein Leben kämpfen, als er eine gefährliche Liebschaft mit der kapriziösen Gattin eines Gangsterbosses beginnt und außerdem mit der Frau des deutschen Botschafters schläft, um an geheime Dokumente zu gelangen. Nach der Machtübernahme durch die japanische Armee geht es nur noch darum, mit heiler Haut aus dem Hexenkessel Shanghai zu entkommen.
Dieser spannend inszenierte Thriller war das jahrelang gehegte Wunschprojekt des Hollywood-Top-Produzenten Mike Medavoy, der 1941 in Shanghai geboren wurde. Als es ihm endlich mit finanzieller Unterstützung des umtriebigen Kino-Tycoons Harvey Weinstein gelang, ein Spitzenfilmteam und eine Riege weltberühmter Schauspieler zu engagieren, wurde „Shanghai“ 2008 an Schauplätzen in London und Bangkok gedreht – mit sehenswertem Ergebnis. Das gediegene Produktionsdesign, die sorgfältig gestalteten Kostüme sowie die dunkel gehaltene Szenenbeleuchtung mit vielen Brauntönen wecken Erinnerungen an den Krimiklassiker „Der Pate“. Gong Li fasziniert als verführerische Femme fatale, als Gattin des von Chow Yun-Fat mit Charme routiniert dargestellten Unterweltherrschers bietet sie eine schauspielerische Glanzleistung. Als Gangsterboss in Shanghai hatte Chow einst auch seine internationale Karriere begonnen: Mit der 1981 gestarteten TV-Krimiserie „The Bund“ wurde er in ganz Südostasien berühmt, bevor er mit den Gangstermelodramen von John Woo zum Weltstar avancierte.

Text: Ralph Umard

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Shanghai“ im Kino in Berlin

Shanghai, USA 2010; Regie: Mikael Hafström; Darsteller: John Cusack (Paul Soames), Gong Li (Anna Lan-Ting), Chow Yun-Fat (Anthony Lan-Ting); 105 Minuten; FSK 16

Kinostart: 15. September

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