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„Sherlock Holmes“ von Guy Ritchie im Kino

Sherlock Holmes im Kino in BerlinVermutlich wurde kein Stoff öfter verfilmt als Sherlock Holmes, in der Rolle des genialen Ermittlers waren schon Buster Kea­ton, Hans Albers, Christo­pher Plummer, Michael Caine und natürlich Basil Rath­bone zu sehen. Arthur Conan Doyles Meister­detektiv hat die zahlreichen Darstellungen, Modernisierungen und selbst Ironie gut überstanden. Jetzt folgen Action-Produzent Joel Silver und Regisseur Guy Ritchie dem seit Batman, Bond und „Star Trek“ beliebten Trend zur Reinterpretation, ihre Neuauflage gibt sich betont cool und werkfern.
Die Kulisse bildet noch immer das viktorianische London. Aber von Beginn an ist klar, dass hier alles anders sein soll: Holmes ist in der Interpretation von Robert Downey Jr. kein reifer, kühler Analytiker, sondern ein exzentrischer Superheld. Man begegnet ihm zuerst im Einsatz am Tatort, er sinniert aus dem Off, wie er einem Fins­terling die Knochen brechen wird. Gesagt, getan: Der Grübler tritt als Kampfsportexperte in Erscheinung. Verstärkt durch seinen loyalen, etwas blassen Partner Watson (Jude Law) gelingt Holmes der Zugriff, der Serienmörder Lord Blackwood (Mark Strong) kann dem Galgen zugeführt werden. Dass Black­wood sodann von den Toten zurückkehrt und ein satanisches Komplott inszeniert, bildet eine wacklige Rahmenhandlung, die für Ritchie und seine vier Autoren wenig mehr als ein nötiges Übel darstellt.
Manchmal lässt sich die inhaltliche Schwäche verschmerzen: Wenn sich Holmes und Watson in einer Werft mit einem Dreimetermann kloppen, bis ein halb fertiges Schiff glu­ckernd in der Themse versinkt, ist das hübsch anzusehen. Aber letztlich erscheint das als zu wenig: Ritchies übliche Reißschwenks und Action-Zeitlupen, die leicht durchschaubaren Plotwendungen und schwach konzipierten Figuren (etwa die von Rachel McAdams verkörperte kriminelle Ex-Geliebte von Holmes) wirken auf Dauer ermüdend.
Einzig Robert Downey Jr. rettet den Film vor dem Totalreinfall. Er spielt seinen Detektiv als rebellisches Genie mit Hang zum Selbstversuch, zur Taktlosigkeit und zum brustfreien Prügeln in der Unterwelt. Ein charismatisches Ekel, ein etwas brüchiger Held, eine reizvolle Figur. Nur mit Sherlock Holmes hat „Sherlock Holmes“ nichts zu tun.

Text: Thomas Klein

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Sherlock Holmes“ im Kino in Berlin

Sherlock Holmes, USA 2009; Regie: Guy Ritchie; Darsteller: Robert Downey Jr. (Sherlock Holmes), Jude Law (Dr. John Watson), Rachel McAdams (Irene Adler); 128 Minuten

Kinostart: 28. Januar

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