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„Shit Year“ im Kino

shityearEine alternde Schauspielerin setzt sich zur Ruhe. Etwa 35 Filme hat sie in 30 Jahren gemacht, wie sie jemandem erzählt. Es kann süchtig machen, immer ein anderer zu sein, sagt sie. Verkörpert wird diese Colleen West von Ellen Barkin, und nicht zufällig gibt es da Überschneidungen, öffnet sich ein Interpretationsraum zwischen Realität und Fiktion. Zurückgezogen in ein Holzhaus auf dem Land, ist für Colleen nun nur noch alles Vergangenheit und nichts mehr Zukunft, denn auch auf die Liebe zu einem jungen Schauspielerkollegen blickt sie zurück.

Überhöhte Erinnerungsfragmente verweben sich mit lakonischen Begegnungen zu einem „stream of consciousness“. Mit abrupten Brüchen, abstrakten S/W-Bildern und einem antinaturalistischen Sounddesign vollzieht Regisseur Cam Archer den Zustand seiner Figur nach, lässt dem Betrachter die Freiheit, durch Lücken in den Film einzutreten. So können auch scheinbar beiläufige Einstellungen zur Projektionsfläche werden wie das Bild des Vorhangs, der sich öffnet und den Blick durch ein Fenster auf eine Stadtlandschaft freigibt. Eigentlich sollte da der Zuschauerraum eines Theaters sein.

Text: Valerie Bäuerlein

Foto: Salzgeber

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Shit Year“ im Kino in Berlin

Shit Year USA 2010; Regie: Cam Archer; Darsteller: Ellen Barkin (Colleen West), Luke Grimes (Harvey West), Bob Einstein (Rick); 95 Minuten; FSK k.A.;
Kinostart: 11. August

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