Drama

„Sibel“ im Kino

Sibel redet nicht, sondern kommuniziert wie schon vor Jahrzehnten ihre türkischen Vorfahren irgendwo am Schwarzen Meer: Sie pfeift

Arsenal Filmverleih

Kurze Signale – schon wissen ihre Nächsten, was die 25-Jährige bewegt. Als Kind ist Sibel nach einer Krankheit verstummt, nun ist sie eine schöne, selbstbewusste Frau, die leider keiner respektiert. Nur der Vater schätzt seine Älteste. Denn sie kann jagen und schießen, den Haushalt führen und ackern wie ein Tier. Ihre Schwester hingegen ist voll integriert in den Dorf-Alltag; bei ihr dreht sich alles ums Heiraten und ehrbares Verhalten. Sibel indes verzichtet auf das Kopftuch und stromert lieber durch die Gegend, um einen imaginären Wolf zu ­jagen.

Das geistig enge Dorf, die üppige ursprüngliche ­Natur – mit ruhigen Bildern skizzieren die Regisseure Guillaume Giovanetti und Çağla Zencirci die Gegensätze. Gebeugt vom Gewicht archaischer Traditionen scheuen die meisten Veränderungen, Außenseiter haben es schwer. Wie es eben so ist. Neu hingegen ist diese erfrischend selbstbewusste Sibel mit ihrer flammenden Rebellion in den hellgrünen Augen. Achtsam und mutig bewegt sie sich durch den Wald, bis sie dort einen Verwundeten entdeckt, der vorm Militärdienst desertiert ist.

Sibels Geheimnis währt nur für kurze Zeit, in der ­dieser Fremde sie wie eine Gleichberechtigte behandelt, sich bemüht, ihre Pfeifsprache zu verstehen und ihr von seinen Ängsten erzählt. Liebe? Offensichtlich, aber aussichtslos. Denn Sibel wird von ihrer Schwester verpetzt. Sibels Rebellion wird trotzdem Früchte tragen, wenn auch andere als geplant. Eine berührende Geschichte über eine couragierte Frau auf dem Weg zu sich selbst.

Sibel D/D/TUR/LUX 2018, 95 Min., R: Çağla Zencirci, Guillaume Giovanetti, D: Damla Sönmez, Erkan Kolçak Köstendil, Start: 27.12.

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