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„Sicario“ im Kino

Sicario

Zu Tode gefolterte oder bei lebendigem Leib verbrannte Opfer, zahllose nur halbherzig verscharrte Leichen – an der Rücksichtslosigkeit mexikanischer Kartelle gibt es keinen Zweifel. In „Sicario“ zeigt auch Denis Villeneuve diese Gewalt, teils im Seitenblick, wie die im nordmexikanischen Juarez an einer Brücke aufgehängten Kartell-Gegner, teils in Großaufnahme, wie die vielen halbverwesten Toten hinter den Rigips-Wänden eines Wohnhauses in Arizona.
Diese Gewalt beschäftigt die erfahrene FBI-Agentin Kate Macer (Emily Blunt), freiwillig meldet sie sich zu einer Sondereinheit, um die Täter dieser Massaker zu überführen. Doch der sarkastische CIA-Mann Matt (Josh Brolin), der mit seinem kolumbianischen „Jagdhund“ Alejandro ?(Benicio Del Toro) gegen die Kartelle arbeitet, ist an Polizei-Arbeit nicht interessiert. Der Härte der mexikanischen Verbrecher stellt man die eigene Rücksichtslosigkeit ?gegenüber, jenseits jeglicher rechtlicher oder moralischer Normen. Das schockiert nicht nur die FBI-Frau.
Villeneuve hat einen bemerkenswerten Blick für die Hölle des Grenzgebiets; die hinreißende Kameraarbeit von Roger Deakins und Jуhann Jуhannssons düsterer Score geben „Sicario“ einen gleichermaßen hyperrealistischen wie albtraumhaften Reiz. Doch inhaltlich kann „Sicario“ dem komplexen Thema nur wenig hinzufügen. Den Kampf gegen die Kartelle reduziert Villeneuve auf den Gewissenskonflikt einer starken, aber bald ohnmächtigen Frau. Das ist dank Emily Blunt durchaus sehenswert, aber doch auch etwas wenig.

Text: Thomas Klein

Foto: Studiocanal GmbH / Richard Foreman

Orte und Zeiten: „Sicario“ im Kino in Berlin

Sicario, USA 2015; Regie: Denis Villeneuve; Darsteller: Emily Blunt (Kate Macer), Benicio Del Toro (Alejandro), Josh Brolin (Matt Graver),; 121 Minuten

Kinostart: Do, 01. Oktober 2015

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