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„Siddhartha“ im Kino

Siddhartha

Conrad Rooks, der im letzten Jahr verstorbene Regisseur von „Chappaqua“ (1966) und „Siddhartha“ (1972), stieß als Großbürgerkind zu den New Yorker Beats und ließ sich bald vom Experimentalfilmer Harry Smith weiter zum Kino vermitteln. Selbst alkohol- und drogensüchtig bis zum Exzess, posiert Rooks in seinem psychedelischen Regiedebüt „Chappaqua“ als US-Milliardär, der in einer französischen Klinik zwischen den Statisten Burroughs und Ginsberg den Entzug versucht. Die indischen Bhagwans und die Naturmystik, die dort nur am Rande eine Rolle spielen, rücken sechs Jahre später ins Zentrum seiner Hesse-Adaption. Zur Gänze in Nordindien mit indischen Schauspielstars inszeniert, folgt der Film treu der Geschichte des Brahmanen Siddhartha (Shashi Kapoor), der zur Zeit des Religionsstifters Buddha einen eigenen Weg zu Weisheit und Erlösung sucht. Beiläufig sorgt Rooks für die erste weibliche Nacktszene im indischen Kino, bleibt aber sonst sehr zurückhaltend, was formale Experimente betrifft. Dass der Film dennoch mitunter wie ein Hippie-Selbstporträt aussieht, ist kein Zufall.

Text: Robert Weixlbaumer

Foto: Movienet Film GmbH

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Siddhartha“ im Kino in Berlin

Siddhartha (WA), USA 1972; Regie: Conrad Rooks; Darsteller: Shashi Kapoor (Siddhartha), Simi Garewal (Kamala), Romesh Sharma (Govinda); 85 Minuten; FSK 6

Kinostart: 9. August

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