Literaturverfilmung

„Sieben Minuten nach Mitternacht“ im Kino

Opulenz und Schmerz: Wenn es „Sieben Minuten nach Mitternacht“ ist, dann kommt das Monster

Foto: Studiocanal

Das riesige Baummonster, das eines Nachts vor Conors Tür steht, ist noch ein kleineres Problem für ihn. Seit seine Mutter erkrankt ist, verwandelt sich das Leben des 13-Jährigen allmählich in die Hölle auf Erden. In der Schule wird er drangsaliert, zu Hause muss er alleine klar kommen; die kühle, strenge Großmutter verkündet, Conor werde bald bei ihr einziehen. Und dann reist auch noch der Vater an, der längst woanders eine neue Familie hat, er spricht mahnend-tröstend weise Vaterworte. Conor ist bedient, er hat Angst, ist wütend, weiß nicht mehr weiter, er hat ­Gefühle und Gedanken, hässlich und fremd. Das Monster kommt da gerade recht.
Juan Antonio Bayona, der 2007 mit „Das Waisenhaus“ international bekannt wurde, hat den gleichnamigen, 2011 erschienenen Jugendroman von Patrick Ness adaptiert, der auch das Drehbuch schrieb. Der Stoff handelt vom Verlust eines geliebten Menschen und auf welche Weise ein Fast-noch-Kind damit umgehen mag, das Thema ist mithin sehr ernst und seine filmische Umsetzung nicht als SFX-Spektakel misszuverstehen.
Vielmehr liegt der Reiz von Bayonas Arbeit gerade in der geglückten Verknüpfung von Opulenz und Intimität: Weder simplifizierend noch beschönigend eingesetzt, steht das ganze Arsenal von Überwältigungstechnik und Fantasy-Genre-Elementen im Dienst einer Geschichte, die vom Schmerz handelt, vom Ungesagten und vom Uneingestandenen. Die exquisite Schönheit der ­eindrucksvoll animierten Sequenzen korrespondiert­ mit der Komplexität der Gemütslagen, die mit ihrer Hilfe ins Bild gesetzt werden.

A Monster Calls (OT) E/GB/USA 2016, 109 Min., R: Juan Antonio Bayona; D: Lewis Macdougall, Liam Neeson, Sigourney Weaver, Start: 4.5.

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