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Wiederaufführungen

Sieg über die Schwerkraft: Klassiker des Schwertkampf-Genres

Mit „Dragon Inn“ und „A Touch of Zen“ vom großen King Hu kommen zwei Klassiker des
Schwertkampf-Genres edel restauriert ins Kino zurück

Taiwan Film Institut/ Rapid Eye Movies

Was haben wir gestaunt, als Mitte der 1980er die zweite Welle des Hongkong-Kinos über uns Europäer herein­brach. Die erste Welle, das waren in den 70ern die Kung-Fu-Filme eines Bruce Lee gewesen, die einen Ruf als Knochenbrecher-Filme hatten. Die Filme der 80er hingegen: kinematografische Poesie – mit ihren durch die Luft gleitenden Schwertkämpfern und den ausgefeilten Kampfchoreografien, den hübschen weiblichen Gespenstern und der Selbstverständlichkeit, mit der Frauen hier als Heldinnen von Actionfilmen auftreten konnten.

Die Karriere des Mannes, der das alles angestoßen hatte, und auf den sich praktisch alle Hongkong-Filmemacher jener Tage bezogen, neigte sich zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits dem Ende entgegen: Als King Hu 1990 für den neuen Zampano des Hongkong-Kinos, den Produzenten und Regisseur Tsui Hark, den Film „Meister des Schwertes“ drehen sollte, verstanden sich der alte Haudegen und der junge Wizard ironischerweise überhaupt nicht. King Hu wurde als Regisseur gefeuert und konnte vor seinem Tod 1997 nur noch einen Film fertigstellen, die Gespenstergeschichte „Painted Skin“ (1992).

Die Glanzzeiten des 1931 in Peking geborenen King Hu waren die 60er- und 70er-Jahre, als er quasi im Alleingang das Wuxia-Genre (die Schwertkämpferfilme) veränderte. Seit Ende der 1950er hatte King Hu für die Produktionsfirma der legendären Shaw-Brothers gearbeitet, ehe ihm bereits mit seiner zweiten Regiearbeit „Das Schwert der gelben Tigerin“ (1966) ein Wuxia-Klassiker gelang, der alle ­Merkmale späterer Meisterwerke aufweist: eine spielerisch-tänzerische Qualität der Kampfszenen, die Frau als gleichberechtigte Heldin sowie eine sich intensivierende Spannungskurve, die die Schurken kampftechnisch besser werden lässt. Da müssen die Helden stetig nach ­neuen Verbündeten Ausschau halten.

Der Erfolg ermöglichte es King Hu, sich selbstständig zu machen, und in Taiwan mit „Dragon Inn“, (auch „Dragon Gate Inn“, 1967) und „Ein Hauch von Zen“ („A Touch of Zen“, 1969-71) eben jene Klassiker zu drehen, die restauriert und vom Taiwan Film Institut 4K-remastered jetzt wieder ins Kino kommen.

„Dragon Inn“ ist pure Kinematografie: nur Form bei praktisch keinem Inhalt. Eine Symphonie aus Kämpfen, Wortgefechten und Hinterhalten, ausschließlich in und rund um die titelgebende Herberge spielend, wo drei Helden und eine Heldin zu verhindern suchen, dass die Agenten des Obereunuchen die Kinder eines Generals ermorden. Eine geniale Mischung aus Action, Drama und Humor.

Mit „A Touch of Zen“ führte King Hu seine Filme auf eine neue Ebene, und dass nicht nur, weil am Ende der Schurke in einem psychedelischen Delirium endet. Die Figuren werden sorgfältig eingeführt, und die Kämpfe besitzen eine fantastische Leichtigkeit. Vor allem aber kommt hier King Hus Gespür für Atmosphäre zum Tragen. En Detail erkundet die Kamera eine verwunschenen Festung, die in einer originellen Schlacht eine ­Hauptrolle spielen wird gegen jene Gegner, die das Fräulein Yang verfolgen: Sie kämpfen gegen ihre eigene Angst vor den vermeintlichen ­Gespenstern. „A Touch of Zen“ ist nicht nur King Hus Meisterwerk, es ist der Höhepunkt des Genres.

Dragon Inn / A Touch of Zen Taiwan 1967/1971, 111 / 179 Min., R: King Hu,
D: Feng Hsu, Chun Shih, Ying Bai, Start: 17.8.

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