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Sights of Memory – Filme aus dem Libanon im Kino Arsenal

The Mountain

Der Libanon ist eines jener Staatsgebilde, in denen sektiererische Bevölkerungsgruppen einander argwöhnisch beobachten und jedes Gleichgewicht der Machtverhältnisse fragil ist. 1990 endete ein 15-jähriger Bürgerkrieg, in den auch Israel massiv eingriff und dessen Wunden bis heute nicht verheilt sind. Das Filmprogramm „Sights of Memory“ gibt vom 26. bis 29. September Gelegenheit, sich intensiv mit diesem weltpolitischen Krisenlabor zu beschäftigen.
Die Konflikte sind ja keineswegs gelöst: schiitischer gegen sunnitischen Islam, Syrien gegen Israel, Laizismus gegen Dschihadismus. Die filmischen Strategien, sich diesen Problemen zu nähern, sind vielfältig: In Al Jabal/The Mountain (Szenenfoto) wird vorwiegend indirekt erzählt – ein Mann, der an der Rezeption als ein bekannter Sänger erkannt wird, zieht sich in die Einsamkeit eines Berghotels zurück; die Spannung des Films beruht darauf, dass nur allmählich klar wird, was ihn zu seinem Versteckspiel bewogen hat.
Ebenfalls in der Form eines Spielfilms macht Yawmon Akhar/A Perfect Day nachvollziehbar, wie es ist, wenn ein Familienangehöriger vor vielen Jahren spurlos verschwunden ist, ohne dass das Schicksal jemals geklärt wurde. Der junge Malek muss bei dem bürokratischen Akt auch unterschreiben, der notwendig ist, um seinen Vater für tot erklären zu lassen. Maleks Fahrten durch Beirut sind ein Krisenprotokoll ganz eigener Art.
Der Dokumentarfilm ist das Genre, in dem die Verarbeitung vielfältiger Traumata immer wieder neue Formen annimmt. Sleepless Nights, mit dem die Reihe beginnt, nähert sich auch der Täterseite, und deutet therapeutische Formen und Versöhnungsprozesse an. My Heart Beats Only For Her zieht Verbindungslinien bis nach Vietnam, woraus ein weiterer wichtiger Aspekt der Gewalt im Libanon deutlich wird – es ging vielfach um Stellvertreterkriege, es waren Fraktionen internationaler Bewegungen, die gegeneinander kämpften, und es waren nicht nur die religiösen Eiferer, die sich zu allen möglichen Gräueln ermächtigt sahen, sondern auch Internationalisten und Befreiungskrieger.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Quelle: Arsenal – Institut für Film und Videokunst

Sights of Memory – Filme aus dem Libanon, ?Arsenal, Do 26.9. bis So 29.9.

www.arsenal-berlin.de

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