Musikdoku

„Silly – Frei von Angst“

Was ist der Unterschied zwischen den Doors, Nirvana und Silly?

Ben Wolf

Während die Doors und Nirvana das Ableben ihrer Sänger nicht verkraftet haben, ist es der seit 1978 im Musikgeschäft umtriebigen DDR-Kultband Silly gelungen, sich auch nach dem tragisch frühen Krebstod ihrer charismatischen Sängerin ­Tamara Danz neu zu erfinden, inzwischen ­erfolgreicher denn je. Und im Gegensatz zu Seniorenkapellen à la Karat & Co wirkt die Ostberliner Band erstaunlich frisch.

Einen guten Beweis dafür liefert dieser Dokumentarfilm von Sven Halfar. Das Korsett des Films ist Sillys „Wutfänger“-Tour 2016, das zwar manchmal etwas einschnürt, aber noch genug Luft lässt, um die turbulente Bandgeschichte mit angenehm beiläufigen Interviews Revue passieren zu lassen. Eine Geschichte, auf die auch heute noch Tamara Danz ihren übergroßen Schatten wirft, besonders in den Erinnerungen ihrer alten Mitmusiker (und Ex-Männer). Dass aber aus der langen Bandpause nach Danzs Tod kein Bandende wurde, ist auch Anna Loos zu verdanken. Trotz ­anfänglich harscher Anfeindungen hat sie sich gesanglich und textlich als Nachfolgerin von Tamara Danz behauptet und der Band ihren eigenen Stempel aufgedrückt.

Im Film mauert Loos etwas und weicht aus, wenn es um die Vergleiche zu ihrer Vorgängerin geht, aber nach über zehn Jahren, die sie ­bereits bei Silly ist, kann man ihr das nicht verdenken. Wie angegossen passt sie in diese Band, die selbstbewusst und bodenständig zu ihrer Ost-Sozialisation steht, keinen Trends nachläuft und immer noch „anti“ genug ist, um in Zeiten des platten Populismus eine wichtige Stimme zu sein.

Silly – Frei von Angst D 2017, 113 Min., R: Sven Halfer, Start: 16.11.

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