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„Simons Geheimnis“ von Atom Egoyan im Kino

Simons GeheimnisAtom Egoyan ist ein Auteur klassischer Prägung, seinen thematischen Obsessionen bleibt er seit seinem Debüt „Family Viewing“ (1987) treu. Auch im jüngsten Werk des kanadischen Regisseurs geht es um Schuld und Sühne, um interkulturelle Konflikte und den Vampirismus der Medienwirklichkeit. Der Teenager Simon, der seit dem Unfalltod seiner Eltern bei seinem eigenbrötlerischen Onkel lebt, entwirft sich, ausgehend von einem Diktat seiner Französischlehrerin, eine Familiengeschichte in das Konfliktzentrum der Welt nach 9/11 hinein. Die Geschichte zieht im Internet ihre Kreise und zwingt schließlich alle Beteiligten dazu, ihre verdeckten Motive preiszugeben.
Aus der für Egoyan typischen desorientierenden Parallelführung verschiedener Zeit- und Wirklichkeitsebenen erwächst ein filigranes Gespinst, zuweilen machtvoll in seiner Ungreifbarkeit – und zuweilen gezwungen unter den Willen zum großen Ganzen, zur Verbindung disparater gesellschaftlicher Themen vom Generationenkonflikt bis zur xenophoben Paranoia. Der Originaltitel „Adoration“ (Verehrung, Anbetung) beschreibt die instabile Grundstimmung des Films besser als das faktische „Simons Geheimnis„, und auch wenn dies keiner der besten Filme Egoyans ist, so entfaltet er doch mit seinen langen, ruhigen Fahrten durch die postromantische Stadtlandschaft Torontos und seinen minutiös konstruierten Raumbildern einen Nachhall im Kopf des Zuschauers. Selbst wenn die Verästelungen der Erzählung längst wieder vergessen sind.

Text: Stella Donata Haag

tip-Bewertung:
Annehmbar

Orte und Zeiten: „Simons Geheimnis“ im Kino in Berlin

Simons Geheimnis (Adoration), Kanada 2008; Regie: Atom Egoyan; Darsteller: Devon Bostick (Simon), Arsinйe Khanjian (Sabine), Scott Speedman (Tom); Farbe, 100 Minuten

Kinostart: 21. Mai

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