Drogendrama

„Sin & Illy Still Alive“ im Kino

Ungeschöntes Porträt zweier heroinabhängiger Frauen.

Foto: abadon production

Maria Hengge verarbeitet als Autorin und Regisseurin ihres Debütlangspielfilms Erlebnisse aus den 90er-Jahren. Dämon Heroinsucht: Am letzten Tag in der Entzugsklinik flieht Sin. Sie trifft zufällig ihre alte Freundin Illy und wird zusammen mit ihr rückfällig. Als sie die Spritze ansetzt, verstummt alles. Ohrenbetäubende Stille, gefolgt von Aufbruchsstimmung und Fernweh. Einen Billigflieger für 59 Euro nach Athen nehmen?

Das Fehlen der Eltern ist für beide zentrales Thema und Leidensursprung. Sin erinnert nicht nur äußerlich an Christiane F. in „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Doch Hengges Intention war das Kreieren eines realitätsnahen Antagonismus zur klassischen Referenz von 1981. So stellt sie Willensstärke über Hilflosigkeit und schafft, indem sie den kalten Entzug unbeschönigt darstellt, etwas extrem Authentisches. Anstatt sich zu distanzieren, entwickelt man als Zuschauer Empathie für Sin. Denn sie weiß, dass sie und auch Illy clean werden können.

Die Handkamera fängt blasse Farben und vernebelte Straßen ein. Immer wieder Bilder öffentlicher Etablissements, die den Sprung von Kulisse zur tristen Alltagsrealität von Sin und Illy schaffen. Die bunt aufflackernden, verrauschten Lichter der Stadt erinnern entfernt an Gaspar Noés „Enter the Void“. Ein eindringliches Independent-Plädoyer für die Abkehr von harten Drogen.

Sin & Illy Still Alive D 2016, 70 Min., R: Maria Hengge, D: Ceci Chuh, Cosima Ciupek, Ulrich Faßnacht, Start: 1.12.

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