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„A Single Man“ im Kino

Ein Tag in der wohl organisierten und doch völlig aus den Fugen geratenen Existenz des Literaturprofessors George Falconer (Colin Firth), das ist alles, was wir im Film „A Single Man“ sehen – vom Aufwachen aus einem Albtraum bis zur spätnächtlichen Rückkehr ins Schlaf­zimmer. George Falconer hat vor acht Monaten seinen Lebenspartner verloren, doch zur Beerdigung seines Partners nach dessen Autounfall wurde er nicht eingeladen – diese sei „nur für die Familie“, ließ man ihm am Telefon ausrichten. Schließlich befindet man sich in den 1960er Jahren, was jedoch auch bedeutet, dass der College-Professor ein Leben in perfekter ästhetischer Moderne lebt, in einem unwahrscheinlich stilvollen Glashaus in einem Vorort von Los Angeles.
Der Film folgt ihm durch seinen Tag, durch den er sich fast traumwandelnd bewegt. Er un­ter­richtet, er macht eine interessante Begegnung mit einem jungen Studenten, der sich zu ihm hingezogen fühlt, er kauft ein, trifft Vorkehrungen bei der Bank, verbringt den Abend bei seiner besten Freundin Charley, einer geschiedenen, bürgerli­chen Hausfrau mit sehr dramatischem Make-up. Die ist seit jeher ein bisschen in ihn verliebt und sehr selbstmitleidig – da sie aber von der großartigen Julianne Moore gespielt wird, kann sie natürlich nur ganz wunderbar sein.
Auch Colin Firth, der für diese Rolle unter anderem den BAFTA-Award gewann und auch für einen Oscar nominiert war, ist fabelhaft differenziert: Er spielt George Falconer als einen Mann, dem aller Lebenssinn abhanden gekommen ist, was man ihm angesichts seiner würdevollen Zurückhaltung jedoch kaum ansehen kann. In einer Welt voller perfekter glatter Oberflächen, in der College- und Vorstadtidylle, wo die Sonne immer nur ganz golden scheint, fühlt er sich vollkommen verloren.
Bis hin zu seinem traurigen, aber versöhnlichen Ende ist der nach einem Roman von Chris­topher Isherwood entstandene Debütfilm des Modemachers Tom Ford nicht nur ein kleines Wunder an perfekter Ästhetik, sondern auch ein wirklich berührender Film über die Einsamkeit.

Text: Catherine Newmark

tip-Bewertung: Herausragend

Orte und Zeiten: „A Single Man“ im Kino in Berlin

A Single Man, USA 2009; Regie: Tom Ford; Darsteller: Colin Firth (George Falconer), Julianne Moore (Charley), Nicholas Hoult (Kenny); Farbe, 99 Minuten

Kinostart: 8. April

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