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„Slow West“ im Kino

Slow West

Als Genre ist der Western längst verblutet. Überfrachtet mit Historie, Mythen, den immer gleichen Kontrahenten und Spannungsbögen bis zum finalen Gemetzel. Kaum Neuland, das zu entdecken lohnt. Trotzdem können manche nicht davon lassen. Jüngere Regisseure konzentrieren sich in der Erzählweise jetzt auf schwarzen Humor und Tempo, um einen hippen Neo-Western-Remix zu schaffen.
„Slow West“ ist das Spielfilmdebüt von John Maclean, der einst Mitglied der schottischen Popgruppe The Beta Band war und einige Kurzfilme drehte. Auch der Inhalt von „Slow West“ lässt sich kurzfassen: Der 16-jährige Schotte Jay folgt 1870 seiner um einiges lebenserfahreneren Angebeteten Rose nach Colorado. Mit ungeladener Pistole pirscht er unbedarft durchs Gelände, begegnet Gesetzlosen aller Stärken, um sich letztlich in der Obhut des Kopfgeldjägers Silas (Michael Fassbender) seinem Ziel zu nähern. Was Jay nicht weiß: Auch Silas ist hinter Rose her – 2000 Dollar ist sie wert. Bis das Ganze in einem gewaltig grotesken Showdown а la Quentin Tarantino gipfelt, straffen pfiffige Gags und die eine oder andere spannende Kameraeinstellung den Trip durch eine zauberhafte Naturkulisse, gedreht in Neuseeland.
Assoziationen an Jim Jarmuschs „Dead Man“ werden wach, denn auch Jay-Darsteller Kodi Smit-McPhee versucht sich als entschleunigt Entrückter, was allerdings nicht rätselhaft oder existenzialistisch rüberkommt, sondern bestenfalls den Null-acht-fünf-zehn-Hipster unserer Zeit widerspiegelt.
Warum sich ausgerechnet Silas von ihm fasziniert zeigt, ist das große Rätsel von „Slow West“. Denn Jays Gefasel von Liebe und einer möglichen neuen Weltordnung ist schlichtweg unerträglich. Macleans Bemühen, seinen Western als spektakuläres europäisches Roadmovie zu präsentieren, hinterlässt keinen bleibenden Eindruck. Wenn schon coole Western – dann doch lieber „True Grit“ von den Coen Brüdern oder mal wieder „Posse – Die Rache des Jessie Lee“ von Mario van Peebles.

Text: Cristina Moles Kaupp

Foto: 2015 PROKINO Filmverleih GmbH

Orte und Zeiten: „Slow West“ im Kino in Berlin

Slow West, Großbritannien/Neuseeland 2015; Regie: John Maclean; Darsteller: Michael Fassbender (Silas Selleck), Kodi Smit-McPhee (Jay Cavendish), Ben Mendelsohn (Payne); 84 Minuten

Kinostart: Do, 30. Juli 2015

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