Biopic

„Snowden“ im Kino

Der perfekte Spiegel: Oliver Stone wagt sich an Edward Snowden

Foto: Universum

Im Leben vom Edward Snowden gibt es zwei große Momente: der eine ist der, in dem er eine Unmenge von Daten aus den Netzwerken der US-Geheimdienste passenderweise aus einer Höhle nach draußen schmuggelt; der andere ist der, in dem er in einem Hotelzimmer in Hongkong sitzt und mit seinen Informationen an die Öffentlichkeit geht, während er darüber sinniert, wo er sich als nächstes verstecken kann. Der zweite Moment ist aus Laura Poitras’ Dokumentarfilm „Citizenfour“, den anderen musste man sich bisher eher vorstellen.

Aber dafür gibt es nun auch einen Film: „Snowden“ liefert all das nach, wofür bei Poitras nicht die Zeit war – die Vorgeschichte des berühmtesten „Whistleblowers“ der jüngeren Zeit, der seither in Russland im Exil lebt. Für den US-amerikanischen Regisseur Oliver Stone („JFK“, „Nixon“) ist das ein idealer Stoff, mit dem er die ­Regierungen aus der linken Ecke angreifen kann. Allerdings verhält es sich mit „Snowden“ ein wenig so, wie es vor einer Weile auch schon bei Julian Assange und WikiLeaks war: Auch da gab es zwei parallele Filme, und der Dokumentarfilm von Alex Gibney („We Steal Secrets“) war wesentlich sehenswerter als der Spielfilm von Bill Condon („Die fünfte Gewalt“).

Stone führt uns durch die Jahre nach 9/11, in denen die Spionage­branche einen enormen Aufschwung hatte. Joseph Gordon-Levitt spielt den Computernerd Edward Snowden so, wie man ihn nach gründlichem Studium von Originalmaterial eben spielen würde: so nahe wie möglich am Original. Der aber ist in erster ­Linie ein ernsthafter Computernerd, der sich lange Zeit nahezu ungerührt durch eine Reihe von Institutionen bewegt, deren Organigramm hier auch nicht klarer wird, weil Stone seine Karriere als Reihe von mephistophelischen Begegnungen strukturiert.

Der weibliche Star Shaileene Woodley soll ein jüngeres Publikum binden, sie hat die Aufgabe, die Geschichte mit Drama und Emotion aufzuladen. „Snowden“ erweckt eher den Eindruck einer demokratischen Pflichtübung als eines durchdachten Dramas. Das mag mit der Konstellation zu tun haben: Snowden ist als Mann mit wenigen Eigenschaften ein ­idealer Spiegel für die kalte Welt der allgegenwärtigen Beobachtung.

Snowden USA 2016, 139 Min., R: Oliver Stone, D: Joseph Gordon-Levitt, Shailene Woodley, Melissa Leo, Start: 22.9.

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