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Schön wild: „Solo für Sanije“ im Kino

SoloMir gefällt diese Freiheit besser als die in der DDR„, sagt Sanije Torka in die Kamera – ein bemerkenswerter Satz von einer Insassin der JVA Reinickendorf. Doch Sanije ist auch eine bemerkenswerte Person: eine wilde Schöne, zu wild für das sozialistische Deutschland, durch dessen biedere Bars sie mit einem albernen Schlagerprogramm tingelte. Wo ihr Leben doch eher Rock-’n’Roll war – ihr Leben, das Wolfgang Kohlhaase Material lieferte für das Drehbuch zu Konrad Wolfs DEFA-Klassiker „Solo Sunny“ (1979). Alexandra Czoks Dokumentarfilm verbindet behutsam Aufnahmen der jungen Sanije, Szenen aus dem Spielfilm, Gespräche und Alltagsbeobachtungen. Er nimmt sich Zeit und wartet auf die Pausen, wenn aus der stark geschminkten, korpulenten Sechzigerin wieder das 16-jährige Heimkind wird, gierig nach Liebe und Bestätigung. Die Reinszenierung der Schminkszene aus „Solo Sunny“ rahmt den Film, eine Frau im Spiegel, auf der Suche nach dem eigenen Leben im Zwiegespräch mit dem Bild des eigenen Gesichts. Doch „Solo für Sanije“ ist auch ein Ensemblestück um die angeschlagene Primadonna – der Gefängnisalltag, die Kameraderie und raue Zärtlichkeit, die geteilte Leere und vage Hoffnung des offenen Vollzugs sind fast gleichberechtigte Akteure.

Text: Stella Donata Haag

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Solo für Sanje“ im Kino in Berlin

Solo für Sanije – Die wahre Geschichte der Solo Sunny, Deutschland 2008; Regie: Alexandra Czok; mit: Sanije Torka; Farbe, 79 Minuten

Kinostart: 10. September

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