Terrence Malick

„Song to Song“ im Kino

Größte Intimität: Mit „Song to Song“ geht Terrence Malick weiterhin seinen ganz eigenen filmischen Weg

Foto: Studiocanal/ van Redin

Wenn man das Kino liebt, hat man keine andere Wahl, als Terrence Malick zu verteidigen. Auch wenn seine Bilder oft in Kitsch abzudriften ­drohen, die Voiceover-Sequenzen, in ­denen seine Figuren über das Leben und die Liebe sinnieren, bisweilen wie esoterische Kalendersprüche wirken: Malick ist einer der letzten großen Auteurs, ein Regisseur, der eine unverwechselbare Bildsprache hat und vor allem die Grenzen des narrativen Kinos aus­lotet, von denen sich Malick zunehmend entfernt, was seinen neuen Film „Song to Song“ zu einer losen Aneinanderreihung von Bildern und ­Motiven macht.
Erneut geht es um das große Ganze, um das Leben, die Liebe, den Sinn der Existenz, die Suche nach Bedeutung in einer materialistischen, oberflächlichen Konsumwelt. War dies in „Knight of Cups“ die Filmwelt, ist es nun die Musikszene, in die Malick Schauspieler wie Ryan Gosling, Rooney Mara, Michael Fassbender, Cate Blanchet, Natalie Portman und manch andere schickt, in einem wechselnden Beziehungsreigen, der kaum zu durchdringen ist. Gedreht wurde auch auf Musikfestivals, was zu Kurzauftritten von Patti Smith oder Iggy Pop führt, die aber nie nur ausgestellt werden.
Ganz natürlich fügen sie sich in den Fluss der Bilder, eine Natürlichkeit, die Teil von Malicks Kunst ist: Selten sieht man große Stars so ­wenig spielen wie bei ihm, sondern einfach nur sein. Offensichtlich vertrauen Schauspieler Malick, offenbaren ihm ihr Innerstes und überlassen es dem Meister, aus den Oberflächen Momente größter Intimität zu formen, die im besten Fall von solch großer Authentizität sind, wie sie im zeitgenössischen Kino nur jemand wie Terrence Malick wagt.

Song to Song USA 2017, 130 Min., R: Terrence Malick, D: Ryan Gosling, Michael Fassbender, Start: 25.5.

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