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„Source Code“ im Kino

Source Code

Eigentlich ist Captain Colter Stevens (Jake Gyllenhaal) Hubschrauberpilot im Einsatz in Afghanistan. Doch als er erwacht, befindet er sich plötzlich in einem Vorortzug in der Nähe von Chicago. Die ihm gegenübersitzende fremde junge Frau namens Christina (Michelle Mona­ghan) nennt ihn Sean, sein Ausweis verkündet ihm, er sei Lehrer, und der Blick in den Spiegel der Zugtoilette zeigt ein unbekanntes Gesicht. Verständliche Verwirrung macht sich breit. Was genau ist hier los? Und vielleicht noch wichtiger: Weshalb explodiert der Zug acht Minuten später mit all seinen Insassen?
Mit dem spannenden Science-Fiction-Thriller „Source Code“ knüpft Regisseur Duncan Jones in doppelter Hinsicht an sein Debüt mit dem kammerspielartigen SF-Film „Moon“ (2009) an: Ging es in „Moon“ darum, dass als Arbeiter auf dem Mond eingesetzte Klone mit implantierten Erinnerungen erst einmal herausfinden müssen, wer sie selbst sind und was man mit ihnen vorhat, so stellt sich Captain Stevens in „Source Code“ zwangsläufig durchaus ähnliche Fragen. Und wie in „Moon“ spielt sich das Drama auch hier an einer sehr limitierten Anzahl von Schauplätzen ab.
Source CodeDenn als Captain Stevens nach der Explosion wieder zu Bewusstsein kommt, befindet er sich scheinbar angeschnallt in einer Art Kapsel, in der er lediglich über einen Monitor Kontakt zur Außenwelt in Gestalt einer wenig auskunftsfreudigen uniformierten Frau (Vera Farmiga) halten kann. Erst auf erhebliches Drängen erfährt Stevens, dass er Teil eines wissenschaftlichen Experiments im Ernstfall ist: Ein Attentäter hat den Vorortzug in die Luft gesprengt und der „Source Code“ macht es möglich, dass Stevens mit seinem eigenen Bewusstsein die letzten acht Minuten im Leben des Lehrers Sean noch einmal durchlebt. Stevens’ Aufgabe ist es, den Bombenleger zu identifizieren, dazu bleiben ihm – in einer Endlosschleife stets aufs Neue wiederholbar – immer wieder genau jene acht Minuten. Doch die Zeit drängt, denn der Attentäter hat einen noch viel größeren Anschlag angekündigt.
Einerseits funktioniert „Source Code“ also wie ein klassischer Detektiv-Thriller, als Puzzle mit falschen Fährten und zu Unrecht verdächtigten Passagieren. Andererseits ergibt sich die tatsächliche Spannung des Films (den Bomber hat man als Sherlock Holmes unter den Zuschauern letztlich noch vor Captain Stevens ausgemacht) eher aus Stevens’ Handlungen jenseits der Spurensuche, wenn der strikte Auftrag mit den Geboten der Menschlichkeit kollidiert: wenn er etwa – laut seinen Auftraggebern völlig unnütz und unmöglich – versucht, die Bombe zu entschärfen und die Zugpassagiere zu retten, oder doch wenigstens die ausnehmend charmante Christina zu überreden, an einer früheren Haltestelle auszusteigen.
Zudem drängen sich Stevens bald ganz andere Fragen zum eigenen Dasein auf: In welcher Form, in welchem Bewusstseinszustand existiert er eigentlich noch, und was verschweigen ihm die Militärwissenschaftler? Spätestens hier begibt sich „Source Code“ auch auf philosophisches Gebiet: Was ist ethisch eigentlich noch vertretbar? Heiligt der Zweck alle Mittel?
Das muss sich schließlich auch Goodwin, die weibliche Stimme aus dem Monitor, fragen lassen, während Captain Stevens schließlich das Unmögliche möglich macht und aus seiner Endlosschleife in eine glücklichere Parallelwelt entschwindet.

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Source Code“ im Kino in Berlin

Source Code, USA 2011; Regie: Duncan Jones; Darsteller: Jake Gyllenhaal (Colter Stevens), Michelle Monaghan (Christina Warren), Vera Farmiga (Colleen Goodwin); 93 Minuten; FSK 12

Kinostart: 2. Juni  

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