Filmessay

„Spell Reel“ im Kino

Das kleine afrikanische Land Guinea-Bissau erlebte in den 70ern eine Zeit des Aufbruchs, die auch filmisch dokumentiert wurde

Spectre Productions

1980 beendete ein Putsch die revolutionären Experimente, und damals verschwanden auch die Filmaufnahmen in Archiven. Guinea-Bissau ist seither von einer nicht abreißenden Serie von Umstürzen geprägt, und gilt als eines der ärmsten Länder der Welt.

Die Künstlerin und Filmemacherin Filipa César stammt aus Portugal, also aus der ehemaligen Kolonialmacht. Sie hat sich nun gemeinsam mit Menschen aus Guinea-Bissau das Filmmaterial von damals noch einmal angesehen. Im Hintergrund stand dabei auch die Frage: Gibt es Möglichkeiten, an die positiven Energien von damals anzuschließen?

Der Film „Spell Reel“ ist Ausdruck dieser Versuche, durch Erinnerungsarbeit der Resignation zu entkommen – und er zeigt zugleich, wie eine heutige Zivilgesellschaft in Guinea-Bissau aussehen könnte. Die Leinwände, die in Dörfern aufgespannt werden, um der Bevölkerung einen Begegnung mit verloren geglaubten Freiheitstraditionen zu ermöglichen, sind auch Projektionsfläche für eine andere Zukunft. Ich will es mit meinem Land noch einmal versuchen, sagt eine junge Frau. „Spell Reel“ entstand mit Unterstützung des deutschen Auswärtigen Amtes und des Projekts „Living Archive“, mit dem das Berliner Arsenal seine Sammlung international vernetzt. Das Ergebnis ist ein spannender, komplexer Film über ein wenig bekanntes Land und die Rolle des Kinos im Prozess der Emanzipation. Bert Rebhandl

Spell Reel D/POR 2017, 96 Min., R: Filipa César, Start: 12.4.

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