Animationsfilm

„Spider-Man: A New Universe“ im Kino

Adieu, Peter Parker! Im neuen Animationsfilm „Spider-Man: A New Universe“ kommt der Held im Spinnenkostüm jetzt als hipper Afro-Latino daher. Witzig, intelligent und glaubwürdig

Sony Pictures

Von allen klassischen Comic-Superhelden war Spider-Man schon immer der interessanteste. Das liegt nicht zuletzt an der Fallhöhe zwischen der Allmacht des dank des Bisses einer radioaktiven Spinne mit Superkräften ausgestatteten Helden, der New York andauernd vor irgendwelchen Katastrophen retten muss, und der Ohnmacht des durchschnittlichen Teenager-Nerds Peter Parker, der in dem Spinnen-Kostüm steckt. Parker/Spider-Man hat sich sein Schicksal nicht ausgesucht, er muss es annehmen: ein Leben zwischen Pubertätsproblemen, komplizierter erster Liebe und dramatischer Verbrechensbekämpfung. Das macht ihn menschlich und als Figur nachvollziehbar. Selbst die Superschurken waren in den Spider-Man-Geschichten meist besser als anderswo: Hinter all ihren apokalyptischen Zerstörungsfantasien blieben immer die menschlichen Wesen sichtbar, die oft genug aus Motiven wie Zurückweisung und Verzweiflung handelten.

In den letzten fünfzehn Jahren hat der Kino-Spider-Man eine ganze Reihe von Inkarnationen durchlaufen: Nach drei guten Blockbusterfilmen (2002-2007) mit Tobey Maguire in der Titelrolle folgte mit dem von Andrew Garfield verkörperten „Amazing“ Spider-Man eine Neuauflage (2012, 2014), die bereits deutlich auf ein Teenie-Publikum abzielte. Der bislang letzte Spider-Man-Film („Homecoming“, 2017) mit dem Briten Tom Holland ging da sogar noch weiter und erwies sich eher als High-School-Komödie, in der unser Held zu allem Überfluss auch noch ein Praktikum bei Iron Man absolvieren muss: eine echte Demütigung. Irgendwie schien die Spider-Man-Geschichte auserzählt zu sein.

Insofern ist der lange geplante neue Animationsfilm „Spider-Man: A New Universe“ nun eine echte Überraschung. Dem Werk der Regisseure Bob Persichetti, Peter Ramsey und Rodney Rothman gelingt es nicht nur, der alten Geschichte einen neuen und zeitgemäßen Anstrich zu verpassen, sondern zugleich mit einer Vielzahl von Anspielungen und Insidergags auch all jene Comic-Nerds zufriedenzustellen, die seit der Erfindung des Helden durch Stan Lee und Steve Ditko quasi in diesem Universum leben.

Spider-Man ist nun nicht mehr (nur) Peter Parker, sondern (auch) ein Afro-Latino namens Miles Morales, ein junger, in der Graffiti- und Hip-Hop-Kultur verwurzelter New Yorker, der gleichwohl eine typische Initiation ins Superheldenleben durchlaufen muss. Als mal wieder die Apokalypse droht, bekommt der leicht überforderte Miles plötzlich Hilfe von diversen Spider-Männern und -Frauen (sowie Spider-Ham, einem Schwein im Spinnenkostüm) aus verschiedenen Paralleluniversen. Nicht jeder Spider-Man ist dabei in wirklich guter Form: Einen unrasierten, moppeligen Helden in Jogginghose gibt es auch.

Das alles besitzt jede Menge Witz im Detail, ist intelligent erzählt und absolut glaubwürdig innerhalb des eigenen Universums. Zudem sieht der Film spektakulär aus: Die Animation ist erstklassig, die Actionszenen bestechen mit ihrem Detailreichtum. Doch letztlich sind es einmal mehr die menschlichen Probleme des Helden und seiner Freunde, die der Geschichte ihre Spannung verleihen. So lobt man sich den Spider-Man.

Spider-Man: A New Universe USA 2018, 117 Min., R: Bob Persichetti, Peter Ramsey, Rodney Rothman, Stimmen OF: Shameik Moore, Jake Johnson, Hailee Steinfeld, Start: 13.12.

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