Comicverfilmung

„Spider-Man: Homecoming“ im Kino

Selbstfindung vs. Superkräfte In „Spider-Man: Homecoming“ ist die Titelfigur im wesentlichen mit sich selbst beschäftigt

Foto: Sony Pictures

Mit der Diskrepanz zwischen seinen Pubertätsproblemen und den Allmachts-Fantasien des Superheldendaseins war Spider-Man alias Peter Parker stets der interessanteste der großen Comic­helden. Ebenso wie die Schurken: Hinter all dem Hochtechnologiekram und der apokalyptischen Zerstörungswut blieben die menschlichen Wesen sichtbar, die aus Motiven wie Zurückweisung und Verzweiflung handelten.

Mit dem 21-jährigen Briten Tom Holland ist nach Tobey McGuire und Andrew Garfield jetzt der ­dritte Kino-Spider-Man innerhalb der letzten 15 Jahre am Start, und „Spider-Man: Homecoming“ treibt die eingangs erwähnten Charakteristika auf die Spitze. Über weite Strecken ist der Film eine Art High-School-Komödie mit Superhelden-Einsprengseln: Trotz eines „Praktikums“ bei Tony Stark alias Iron Man (Robert Downey jr.) geht ­Peter Parker als schmächtiger, unpopulärer Nerd ohne Selbstvertrauen weiter zur Schule, himmelt von fern eine hübsche Mitschülerin an und hat mit ­seinem dicklichen Kumpel Ned einen noch viel größeren Nerd an seiner Seite. Dass Peter sich auf Anweisung von Stark in Sachen Superheldentum möglichst bedeckt halten soll, passt ihm gar nicht, doch prompt gehen die meisten seiner auf eigene Faust begonnenen Aktionen schief.

Das Schüler-Comedy-Drama rund um das ­Thema Charakterfestigung zeigt sich mit seinem stellenweise trockenen Humor über weite ­Strecken recht unterhaltsam, doch die Handlungsstränge treten auch ziemlich auf der Stelle: Peters geringe Popularität ist eher Behauptung als Tatsache, die Liebesgeschichte kommt nicht in die Gänge, und der neue Superschurke Vulture (Michael Keaton) strahlt in etwa die Gefährlichkeit eines gemütlichen Berliner Handwerksmeisters aus. Dass es in einem Superheldenfilm mal nicht um die Rettung der Welt geht, kann man ja auch angenehm finden. Aber muss es deshalb gleich um gar nichts gehen?

Spider-Man: Homecoming USA 2017, 133 Min., R: Jon Watts, D: Tom Holland, Michael Keaton, Robert Downey jr., Marisa Tomei,

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