Kino & Stream

„Spitzentitel“ von Bert Rebhandl

Gestern ist eine Broschüre auf meinem Schreibtisch gelandet, deren Titel eigentlich nicht dazu angetan war, dass ich mich sofort in sie vertiefen wollte: „Die deutsche Filmwirtschaft. Zahlen und Zusammenhänge“. Herausgeber ist die SPIO, die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft e.?V. Die SPIO vertritt, wie ich beim Blättern erfuhr, die FDW, die GVU, den VDFE, den BVV, den HDF, den VDA, den IDS, den VTFF und den VDFP. Beinahe hätte ich jetzt den BAV vergessen, und die Deutsche Filmakademie, die auf ein prägnantes Kürzel verzichtet.
Natürlich haben Interessensvertretungen ihre eigene Poesie, vor allem dann, wenn sie ihre Interessen bedroht sehen. Auch dafür gibt es eine Abkürzung: TTIP. Ein Transatlantisches Handels- und Investitionsabkommen würde vielleicht auch einem paneuropäischen Lizenzgebiet den Weg bereiten, und das würde dem Fleckerlteppich der gut, aber sehr kleinteilig subventionierten europäischen Filmwirtschaft große Schwierigkeiten bereiten.
Aus der Lektüre der Broschüre lerne ich: Die Lobbyisten haben die Abkürzungen gepachtet. Sie umgeben die wichtigen Entscheidungen mit Trockenmaterie, im Gewirr der Buchstaben stecken irgendwo die Trends. Die Spitzenorganisation möchte die mittelständischen Strukturen, die hierzulande herrschen, gegen Medienkonzerne verteidigen. Nicht zuletzt durch seinen Mittelstand ist Deutschland zum Exportweltmeister geworden. Da haben die Filme allerdings noch Potenzial. Wie wäre es mit ECAP? Export­chancenaufholpotenzial.

Mehr über Cookies erfahren