Dokumentarfilm

„Stadt als Beute“ im Kino

London als Vorbild: „Die Stadt als Beute“ zeigt die Auswüchse der Gentrifizierung in Berlin

Foto: Andreas Wilcke

Da hat sie gestaunt, die alteingesessene Mieterin, als sie eines Tages die Türen zum Bad und zur Küche öffnete: Fenster zugemauert. Aus dem Sanierungsobjekt will sie trotzdem nicht ausziehen. Berlins Wohnungsmarkt boomt. Da stören die alten Mieter in ihren billigen Wohnungen nur.
Regisseur Andreas Wilcke hat sich vier Jahre lang auf die Spur der Gentrifizierung in Berlin gemacht und sich ­unkommentiert an die Fersen unterschiedlicher ­Akteure auf dem Berliner Haus- und Wohnungsmarkt gemacht. Immobilienmakler, Investoren, Käufer, Mieter, Eigentümer und Demonstranten. Wilcke lässt sie alle zu Wort kommen. Er wertet nicht, sondern blickt mit großen Kameraaugen auf eine Stadt, die gerne in die Fußstapfen Londons ­treten möchte. In punkto Immobilienpreise.
Er blickt auf eine Stadt, in der der damalige Stadtentwicklungssenator und heutige Bürgermeister Müller die Ohnmacht der Politik repräsentiert. Eine Politik, die die Kassen klingeln lassen will und ­soziale Interessen nur noch behauptet. Spätestens in 50 Jahren, so die Prognose eines Experten, werden die Besonderheiten Berlins mit einst billigem Wohnraum in der Innenstadt verschwunden sein. Doch noch sucht der Herr, der sagt, Geld sei nicht das Problem, sein Wohn­objekt, und die ausländischen Wohnungskäufer freuen sich über die Drittwohnung in Berlin, weil das billiger ist als die eine oder andere Woche in einem Hotel zu verbringen.
Wo sich der Berliner Durchschnittsverdiener wiederfindet? Mit Glück am Stadtrand, Marzahn-Hellersdorf. Ein „Großkopferter“ neulich im Gespräch angesichts der mageren Löhne und der steigenden Mieten: „Die Leute müssen eben enger zusammen­rücken und sich Wohnungen teilen.“

Die Stadt als Beute D 2015, 82 Min, R: Andreas Wilcke, Start: 8.9.

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