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Starbesetztes Musical „Nine“ im Kino

Das Filmmusical ist nicht tot, aber – um einmal einen alten Witz von Frank Zappa über die Jazzmusik zu gebrauchen – es riecht schon etwas seltsam. Denn Tanz- und Sangeskünstler vom Schlage eines Fred Astaire oder einer Judy Garland gibt es im Kino längst nicht mehr, es besteht einfach kein Bedarf mehr. Das bedeutet jedoch auch, dass man Filmmusicals heute entweder mit Unbekannten besetzen muss oder es mit Stars zu tun bekommt, die bes­tenfalls limitierte tänzerische Fähigkeiten besitzen. Der amerikanische Regisseur Rob Mar­shall konnte mit diesem Handicap bereits in seinem Erfolgsmusical „Chicago“ (2003) recht geschickt umgehen und wiederholt sein Konzept nun in „Nine“.

Inmitten aufwendiger Dekorationen setzt er seine All-Star-Besetzung sanft in Bewegung und macht mit einem um sie herumtanzenden Corps de Ballet die Räume gelegentlich so eng, dass Dynamik eher durch Montage als durch Performance entsteht. Insbesondere die weiblichen Stars wie Penйlope Cruz und Marion Cotillard schlagen sich in der Musicaladaption von Federico Fellinis Schaffenskrisenepos „8 1/2“ tapfer, der grüblerische Method-Mime Daniel Day-Lewis lässt in der Rolle des uninspirierten Filmregisseurs Guido Contini allerdings genau jene Ironie vermissen, die einst Fellinis Selbstbespiegelung auszeichnete. Für ein Musical ist „Nine“ überraschend ernst und depressiv gestimmt.

Text: Lars Penning

BILDERGALERIE

INTERVIEW MIT DEN HAUPTDARSTELLERINNEN KIDMAN, CRUZ, DENCH U.A.

(tip-Bewertung: Annehmbar)

Termine: „Nine“ im Kino in Berlin
USA 2009; Regie: Rob Mar­shall; Darsteller: Daniel Day-Lewis (Guido Contini), Marion Cotillard (Luisa Contini), Penйlope Cruz (Carla); Farbe, 18 Minuten;
Kinostart: 25. Februar

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