• Kino & Stream
  • „Starbuck“ und „Was passiert, wenn\s passiert“ im Kino

Kino & Stream

„Starbuck“ und „Was passiert, wenn\s passiert“ im Kino

Was passiert, wenn's passiert

Die Komödie als materialistische Dramengattung führt dem Philosophen Robert Pfaller zufolge die grundlegende Dezentrierung des Individuums vor Augen, seine Unfreiheit und Fremdbestimmung. Biografisch betrachtet ist der Schritt zur Elternschaft eine der deutlichsten Umbruchsituationen, in denen dieser Kontrollverlust spürbar wird – und liefert somit erstklassigen Komödienstoff. Zeitgleich kommen jetzt zwei/drei Filme (siehe auch „Nachtlärm“ / ab 23.08.) ins Kino, deren Scheitern oder Gelingen davon abhängt, ob sie diese Beunruhigung zulassen. Denn um zu berühren, muss auch ein Feelgood-Movie irgendwo wehtun: no risk, no fun.
„Was passiert, wenn’s passiert ist“, Kirk Jones‘ Verfilmung eines populären amerikanischen Schwangerschaftsratgebers, ist ein prominent besetzter Episodenfilm, der an verschiedenen Paaren Freud und Leid, Krisen und Kalamitäten der erwartungsvollen neun Monate durchspielt, um am Ende zuverlässig und spannungsfrei auf die Zielgrade der Familiengründung einzubiegen. Dabei ist es für eine Mainstream-Komödie noch nicht disqualifizierend, dass ein munterer Reigen von Standardsituationen vorgeführt wird, richtig ärgerlich ist allerdings, wie wenig sich der Film um die tatsächlichen Konflikte schert und aufs Klischee noch den Schenkelklopfer setzt. Schwangere Frauen sind entweder Plastik-chirurgisch perfekt oder watschelnde Hormonbündel mit lautstarken Verdauungsstörungen. Ko-schwangere Männer kämpfen mit dem Freiheitsverlust, gründen Vätergangs und träumen von Ausbrüchen, bekennen sich zuletzt aber mit Inbrunst zu familiären Werten.
StarbuckWährend „Was passiert …“ die Komplettierung der Kleinfamilie als zentralen Bestandteil des individuellen Glücksstrebens verkauft, erkennt Ken Scotts „Starbuck“ zunächst einmal die oft genug schmerzliche Tatsache an, dass jeder gezwungenermaßen Teil einer Familienmaschine ist – mancher auch als kleine, eher lockere Schraube wie David Wozniak. Einer von den netten Kerlen, die nie was auf die Reihe kriegen, jobbt er mit Anfang 40 in der familieneigenen Großmetzgerei in Quebec. Als seine Freundin Valйrie, eine zielstrebige Polizistin, schwanger wird, hadert er mit der Vaterschaft als ultimativen Schritt zum Erwachsenwerden. Seine Ängste verselbständigen sich ins Mons­tröse, als er erfährt, dass er – infolge seines Nebenjobs als anonymer Samenspender unter dem Decknamen „Starbuck“ vor über 20 Jahren – inzwischen Vater von 533 Kindern ist, von denen 142 nun mit einer Sammelklage die Identität ihres Erzeugers feststellen wollen. Das ist großartig absurd und wird dabei skurril-lakonisch, direkt aus dem Leben gegriffen erzählt. Sein bester Freund, ein erfolgloser, alleinerziehender Anwalt, sieht in dem Fall die Chance seines Lebens und wehrt die Ansprüche der Kinder tatsächlich ab. Aber da hat sich David schon auf den ganzen Schlamassel eingelassen und entdeckt, was Familie eben auch ist: gebraucht werden und jede Menge Liebe.

Text: Stella Donata Haag

Starbuck, Kanada 2011; Regie: Ken Scott; Darsteller: Patrick Huard (David Wozniak), Julie LeBreton  (Valйrie), Antoine Bertrand (Davids Anwalt); 109 Minuten; FSK 12

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Starbuck“ im Kino in Berlin

Kinostart: 16. August 

 

Was passiert, wenn’s passiert (What to Expect When You’re Expecting), USA 2012; Regie: Kirk Jones; Darsteller: Cameron Diaz (Jules), Jennifer Lopez (Holly), Elizabeth Banks (Wendy); 110 Minuten; FSK 0

tip-Bewertung: Uninteressant

Orte und Zeiten: „Was passiert, wenn’s passiert“ im Kino in Berlin

Kinostart: 16. August

Foto oben „Was passiert, wenn’s passiert“: Universal Pictures International

Foto unten „Starbuck“: 2012 Ascot Elite Filmverleih GmbH

Mehr über Cookies erfahren