Kommentar

„Starruhm“ von Lars Penning

Der Kameramann Michael Ballhaus ist gestorben, die Nachricht kam, kurz bevor ich diese Zeilen verfasse. Er war ein unbestrittener Star seiner Zunft, ebenso wie die kürzlich einem Krebsleiden erlegene  Schauspielerin Christine Kaufmann.

Lars Penning

Getroffen haben sich die beiden einmal bei der Arbeit an Rainer Werner Fassbinders TV-Serie „Welt am Draht“ (1973), und der Zufall ihrer nahe beieinander liegenden Todestage ließ mich daran denken, wie wenig die Deutschen stets mit ihren Stars anzufangen wussten.
Ballhaus hatte es vielleicht etwas leichter, er war ein technischer Künstler. Das konnte man in Deutschland eher akzeptieren, dass so einer dann plötzlich auch in den USA gefragt war und mit Regie­größen wie Martin Scorsese drehte. Die gebürtige Österreicherin Kaufmann aber war als Kinderstar das „Rosen-Resli“ gewesen. Als sie sich Anfang der 1960er-Jahre auch ­international aufstellte und Filme drehte mit Belmondo, Kirk Douglas und Tony Curtis (den sie auch heiratete), hielt sich – wie im vergleichbaren Fall von Romy „Sissi“ Schneider – die Begeisterung hierzulande arg in Grenzen.
Anstatt sich über den internationalen Erfolg zu freuen, tat man, als ob die Amerikaner und Franzosen uns etwas weggenommen hätten. Und wer immer es in den folgenden Jahrzehnten schaffte, über den heimischen Tellerrand hinauszusehen, hatte mehr oder weniger die gleichen Probleme. Doch Star zu sein, das bedeutet, international zu sein. Die Welt zu kennen, auf dass einen schließlich die Welt kennt. Für Künstlerinnen und Künstler sollte das nach wie vor ein schönes Ziel sein.

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