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„Staten Island“ von James DeMonaco

Staten Island

Staten Island ist das unglamouröse Stiefkind unter den fünf Stadtbezirken New Yorks, eine Insel mit Vorstadtcharakter, berühmt weniger für Sehenswürdigkeiten als berüchtigt für eine der größten Mülldeponien der Welt, die den sprechenden Namen Fresh Kills trug und ein halbes Jahrhundert lang den Unrat von Rest-New York schluckte. Staten Islander nennen ihre Heimat mitunter den „forgotten borough“; das Regiedebüt des Drehbuchautors James DeMonaco setzt dieser Selbstwahrnehmung ein vergnügliches Beispiel fürs Groteske entgegen, das im Gewöhnlichen gedeiht.
Erzählt werden die Ereignisse um drei eigenwillige Einwohner von Staten Island – den Abwassertank-Reiniger Sully Halverson (Ethan Hawke), den Mafia-Boss Parmie Tarzo (Vincent D’Onofrio) und den taubstummen Metzger Jasper Sabiano (Seymour Cassel) – und wie sie sich vermittels unseliger Zufälle miteinander verflechten, was wiederum für eine Reihe böser Überraschungen sorgt. Denn Halverson braucht Geld und beklaut ausgerechnet Tarzo, während Sabiano einen überraschenden Gewinn beim Pferderennen dazu nutzen will, endlich sein Leben zu ändern. Das heißt, ihr Leben ändern wollen eigentlich alle drei, doch nicht einem jeden gelingt dies am Ende auch.
„Staten Island“ ist frei drauflos fabuliert, steckt voll skurriler Einfälle und bietet den viel zu selten zu sehenden Seymour Cassel in Hochform. Die liebevolle Aufmerksamkeit, die dieser der Charakterisierung seines melancholischen Metzgers zuteil werden lässt, tröstet leicht über manche übers Knie gebrochene Handlungswendung hinweg.

Text: Alexandra Seitz

Foto: Iron Horse Pictures

tip-Bewertung: Annehmbar

Staten Island, USA/Frankreich 2009, Regie: James DeMonaco; 92 Minuten + Bonusmaterial: Interviews, Deleted Scenes, Trailer; erschienen bei Ascot Elite.

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