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Stephen Frears im Interview über „Lady Vegas“

Stephen Frears

tip So wie im Fall des Glücksspielbusiness? Oder warum sind Sie nach „Grifters“ nun mit „Lady Vegas“ erneut in die Welt der Sportwetten zurückgekehrt?
Stephen Frears Ich wurde einfach dieser Gruppe Menschen vorgestellt, deren Business die Sportwetten sind – und ich fand sie sehr interessant.

tip Inwiefern?
Stephen Frears Beth Raymer, Dink und die anderen waren überhaupt nicht so, wie man sie sich vorgestellt hätte. Dink ist wirklich ein Geschäftsmann – nur eben, dass sein Geschäft das Glücksspiel ist. Er hat ein bedeutend besseres Verständnis von Mathematik als ich. Wenn er in Harvard gewesen wäre, wäre er jetzt möglicherweise ein Banker und würde die Welt zerstören. War er aber nicht. Er ist ein Amerikaner aus der Arbeiterklasse und hat sich eine andere Profession ausgesucht.

tip Was macht Bruce Willis, der Dink verkörpert, zu einem guten Schauspieler?
Stephen Frears Talent. Er war immer ein guter Schauspieler. Die Menschen haben es nur nicht erkannt, und er hat sein Talent oft nicht benutzt.

tip Das ist jetzt anders?
Stephen Frears Er ist ein cleverer Mann, und er weiß, wie alt er ist und wie sich die Welt entwickelt. Daher beginnt er nun mit Regisseuren wie mir oder Wes Anderson zusammenzuarbeiten. Er ist nicht auf das Geld angewiesen und ist sehr interessiert an anderen Dingen.

tip Stimmt es, dass Sie mit der Besetzung von Rebecca Hall zunächst nicht besonders glücklich waren?
Stephen Frears Ich habe mich ein Jahr lang geweigert, sie zu besetzen. Ich wollte gern eine amerikanische Schauspielerin. Daraufhin sagte sie, dass ihre Mutter Amerikanerin sei, was ich sehr irritierend fand. Irgendwann wurde ich aber dazu gebracht, sie vorsprechen zu lassen – und sie war brillant. Ich habe auch schon mal ein Jahr damit zugebracht, Anjelica Huston nicht zu casten. Eines Tages fragt man sich, warum man so ein Idiot war.

tip Wonach suchen Sie sich Ihre Themen aus?
Stephen Frears Ich sitze zu Hause und lese, und ab und zu ist etwas dabei, was ich toll finde. Ich bin sehr passiv.

tip Was macht ein Skript für Sie zu einem guten Skript?
Stephen Frears Es ist so, als würdest du dich verlieben. Dafür gibt es keine Erklärung. Das einzige, woran ich denke, ist: Das ist wirklich interessant, und damit werde ich mich anderthalb Jahre meines Lebens beschäftigen.

tip Und was macht einen Frears-Film zu einem Frears-Film?
Stephen Frears Ich habe keine Ahnung. Ich bin kein Kritiker – ich drehe diese verdammten Filme bloß.

tip Sie machen also einfach nur Ihren Job?
Stephen Frears Ja. So wie einst schon John Ford. Was soll man auch sonst tun?

Interview: Sascha Rettig

Fotos: Harry Schnitger / tip

Lady Vegas (Lay The Favorite) läuft ab Donnerstag, den 19. Juli 2012, in den deutschen Kinos. Lesen Sie hier die Filmkritik: „Lady Vegas“ im Kino in Berlin

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