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Stephen Frears im Interview über „Lady Vegas“

Stephen Frears

tip Herr Frears, Sie haben in einem Interview einmal gesagt: „Regisseuren wird absurd viel Respekt entgegengebracht, weil niemand weiß, was sie wirklich machen.“ Können Sie dieses Missverständnis aus der Welt räumen und einmal erklären, was Regisseure wirklich tun?
Stephen Frears (überlegt sehr lange) Also, als Regisseur macht man sich Gedanken, überlegt sich Dinge, sucht Verbindungen. Man lässt etwas lebendig werden.

tip Und Sie glauben, das sei überbewertet?
Stephen Frears Nein, denn die Menschen, die das gut können, bewundere ich sehr.

tip Schauen Sie selber viele Filme?
Stephen Frears Nein. Aber ich kann mich daran erinnern, dass ich Ende der 1950er-Jahre „Der unsichtbare Dritte“ im Kino gesehen habe. Ich erinnere mich daran, wie ich Milos Formans „Die Liebe einer Blondine“ oder „Apocalypse Now“ oder „Taxi Driver“ gesehen habe. Ich weiß nicht, ob Menschen heutzutage noch solche Erlebnisse im Kino haben.

tip Wie würden Sie diese Erfahrungen beschreiben?
Stephen Frears Die Filme haben viel über das Leben gelehrt und gelehrt zu leben.

tip Wollen Sie das mit Ihren Filmen auch erreichen?
Stephen Frears Nein. (windet sich etwas) Aber ich bewundere die Leute, die diese Filme gedreht haben. Sie sind wirklich clever.

tip Sie pendeln zwischen gegensätzlichen Welten: Sie leben im ländlichen Dorset und im Londoner Szene-Viertel Notting Hill. Und Sie arbeiten in Großbritannien und den USA. Was mögen Sie an dieser Pendelei?
Stephen Frears Ich habe einfach sehr viel Glück gehabt. Meine Neugierde hat mich an diese Orte geführt. Ich habe zum Beispiel gerade in New York einen Film über den Supreme Court gedreht, und das war für mich völlig neues und unerforschtes Terrain.

tip Und Sie erforschen gern für Sie neues Terrain?
Stephen Frears Ich weiß nicht, ob „erforschen“ das richtige Wort ist, aber man darf etwas lernen bei dem Versuch zu verstehen, wie die Welt funktioniert und was wir hier überhaupt tun. Das ist einfach sehr, sehr interessant.

tip Ihr filmisches Schaffen ist so vielseitig wie nur bei wenigen Regisseuren. Wie ist Ihre Herangehensweise als Regisseur bei einem neuen Projekt?
Stephen Frears Als ich den Western „Hi-Lo Country“ gedreht habe, habe ich mir viele Cowboyfilme angesehen und verstand langsam, was John Ford oder Howard Hawks geleistet haben und warum ihre Filme so gut sind. Ich bin so etwas wie ein Schüler – oder nein, das ist das falsche Wort. Man verfolgt einfach die Dinge, über die man mehr wissen möchte.

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