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Stephen Rea in „Nothing Personal“ im Kino

Eine Ehe endet, der Ring ist abgestreift, die leere Wohnung erzählt keine Geschichten mehr. Anne (Lotte Verbeek) verlässt Amsterdam mit dem Wichtigs­ten im Rucksack. Sie ist ungefähr Mitte 20, blass und ungeheuer rothaarig. Irland ist ihr Ziel, die Westküste, wo es am einsamsten ist und wild. Anne trotzt den Elementen, die ihr entgegenpeitschen, marschiert stoisch in Richtung Meer. Furchtlos nächtigt sie in einem kleinen Zelt und scheint sich dabei jeden Tag selbst ein Stück näherzukommen. Die Freiheit, sich selbst zu leben – davon ist dieser bemerkenswert eindringliche Film durchdrungen.
„Nothing Personal“ heißt das Spielfilmdebüt von Urszula Antoniak, das inzwischen europaweit mit Preisen nur so überschüttet wird. Vielleicht auch weil Antoniak mit diesem Film eine Individualität in den Mittelpunkt rückt, die in Zeiten der Uniformierung von Körpern, Hüllen und Haltung selten geworden ist. Ihre Anne ist widerborstig, kämpft mit sich und sucht die Einsamkeit. Und stößt dann auf einen Seelenverwandten: Martin (Stephen Rea), Witwer, viel älter und weise. Sein Haus hat es Anne angetan, wie es allein auf einer Landzunge nistet. Martin ist Selbstversorger, pflegt seinen Garten, die Fischreusen, hört seine Musik und liest feine Bücher. Ein ideales Leben, so scheint es. Er sieht Annes Zerrissenheit, ihre Wildheit. Gegen ein warmes Essen will sie für ihn arbeiten, allerdings nur, wenn sie sich beide fremd bleiben dürfen. Keine persönlichen Fragen also, nicht mal ihren Namen gibt sie preis. Kindlich trotzig wirkt Annes Mut zur Konsequenz. Martin scheint er vertraut. Und so ködert er sie mit guten Speisen, Musik und letztlich einem warmen Bett.
Doch wie nahe kommt man sich unweigerlich in einer Beziehung? Zwischen Anne und Martin entwickelt sich etwas, das Regisseurin Antoniak in fünf Kapitel gliedert. In kleinen Ges­ten erwacht Neugier auf das Gegenüber, es kommt zu Grenzüberschreitungen und Regelverletzungen. Immer wieder bricht Martin Annes Eigensinn mit Ironie. Dennoch nistet eine Melancholie in den poetischen Bildern, die, lang bevor der Zuschauer etwas merkt, eine Radikalität ankündigen, die nur starken Menschen eigen ist.

Text: Cristina Moles Kaupp

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Nothing Personal“ im Kino in Berlin

Nothing Personal, Irland/Niederlande 2009; Regie: Urszula Antoniak; Darsteller: Stephen Rea (Martin), Lotte Verbeek (Anne); Farbe, 85 Minuten

Kinostart: 8. April

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