Dystopie

„Stille Reserven“ im Kino

Künstliche Welt: „Stille Reserven“ blickt düster in die Zukunft

Foto: Camino Filmverleih

„Sie wollen doch nicht als Datenspeicher ­enden, Frau Hofmannsthal!“ Mit einer ­Mischung aus Verführung und Drohung umgarnt der Versicherungsvertreter Vincent Baumann eine ältere Kundin. Eine Versicherung der besonderen Art: In der Gesellschaft der Zukunft, in der „Stille Reserven“ spielt, dürfen Menschen nicht mehr sterben. Sie werden stattdessen in geriatrischen Komplexen über das Datum ihres eigentlichen Ablebens hinaus bewirtschaftet, zum Beispiel als Speicher­medien. Nur wer sich eine sogenannte Todesversicherung leisten konnte, kann in Ruhe das Zeitliche segnen. Vincent (Clemens) ist ein Profi in seinem Metier. Er ist kühl und erfolgsorientiert, aber auch empfänglich für Gefühle. Das zeigt sich, als er Lisa Sokulowa kennenlernt. Vincent gerät zwischen zwei Fronten: die technokratische Welt, die von seiner Chefin Diana Dorn verkörpert wird, und eine untergründige Welt von Aktivisten, in der die Menschen noch nicht „desensibilisiert“ sind.
Man trifft sich in einer Bar, die in dieser futuristischen Welt etwa so passend wirkt wie das berühmte altdeutsche Haus in Fritz Langs „Metropolis“. „Stille Reserven“ spielt mit der Stilistik von klassischen Beispielen des Genres, in denen die Humanität nur noch in den Fugen einer hypertechnisierten Welt existieren kann. Allerdings überzeugt die Übertragung der formelhaften Elemente auf ein abstra­hiertes Österreich nur bedingt – viele Facetten von „Stille Reserven“ wirken leer und in schlechtem Sinn artifiziell.

Stille Reserven D/A/CH 2016, 96 Min., R: Valentin Hitz, D: Clemens Schick, Lena Lauzemis, Start: 20.4.

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