Kino & Stream

Streaming-Dienst für Cineasten

Pans_LabyrinthVor vier Jahren hing Efe Cakarel in Tokio fest und ärgerte sich. Damals wollte er sich unbedingt „In the Mood for Love“ ansehen, doch bei den Video-on-Demand-Angeboten im Internet konnte er den Film nicht finden. „Ich war entsetzt, als ich entdeckte, dass es online keine einzige Seite gab, auf der man internationale Independentfilme und Klassiker ansehen konnte“, erinnert er sich. „Das war der Moment, in dem ich die Idee für die Website theauteurs.com hatte.“ Mittlerweile ist daraus MUBI (mubi.com) geworden, ein cineastischer Streaming-Dienst, bei dem man Filme einzeln oder im 30-Tages-Abo virtuell leihen kann, und der ergänzt wird von einer Social-Network-Funktion zur Bewertung und Diskussion von Filmen. Das Angebot ist dabei eine ziemlich wilde Mischung, bei der ohne erkennbares Konzept Filmkunstklassiker auf unabhängige Weltkinoproduktionen und Avantgardeexperimente treffen. Clint Eastwoods „Million Dollar Baby“ findet man ebenso wie Hou Hsiao-Hsiens „Three Times“ und Jafar Panahis „Der Kreis“.

Ergänzend zum DVD-Markt öffnete MUBI damit einen Video-on-Demand-Markt für Independentwerke und macht mitunter Kurz- und Nischenfilme – die nach einem Festivalauftritt und einer kurzen Kinoauswertung aus dem Blickfeld geraten würden – unabhängig von der herkömmlichen Distribution verfügbar. Denn die Auswahl gängiger Video-on-Demand-Anbieter bietet nach wie vor überwiegend Mainstream und bestenfalls populäres Arthouse-Kino. Bei Videoload etwa sucht man selbst nach Namen wie Agnиs Varda, Takeshi Kitano oder Lars von Trier vergeblich. Und bei itunes ist zwar die Musikauswahl uferlos, wenn es um den Download von Filmen geht, überwiegt aber auch dort die Standardware.

In Deutschland ist das Angebot an verfügbaren Filmen von MUBI allerdings noch sehr eingeschränkt. Das liegt an den schwierigen Verhandlungen um die Lizenzrechte, weil die Filmindustrie den digitalen Vertrieb teils offenbar immer noch mit Skepsis betrachtet. Bislang lassen sich hierzulande lediglich knapp über 500 Titel der über 21.000 Titel umfassenden Datenbank abspielen. Dass man die Filme am Computerbildschirm anschauen oder den Computer erst umständlich an den Fernseher oder einen Beamer anschließen muss, lässt sich allerdings mittlerweile umgehen. Durch eine herunterladbare Applikation steht die Plattform seit kurzer Zeit auf der Playstation 3 den Usern mit Breitbandinternet zur Verfügung. „Die Filme kann man mit der Konsole auf ganz einfache Weise mit Heimkinosystemen nutzen“, sagt Cakarel. Auf einen Schlag erreicht MUBI damit fast 50 Millionen potenzielle neue Nutzer. Eine interessante Kombination zweier unterschiedlicher Märkte, bei denen man auf den ersten Blick wohl nur wenige Schnittmengen vermuten würde: Cineasten und Videogamer.

Text: Sascha Rettig

www.mubi.com

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