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Blissfully Yours

Ganz besonders gilt das beim Anschauen des höchst eigenartigen und wunderbar einzigartigen Films „Blissfully Yours“, in dem der thailändische Filmemacher Apichatpong Weerasethakul („Tropical Malady“, „The Adventures of Iron Pussy“) zwei Frauen und einen jungen Mann dabei beobachtet, wie sie einen Nachmittag im Dschungel verbringen. Sie essen, sie plantschen im Wasser, sie haben Sex, sie dösen in der Sonne. Mehr passiert nicht und doch geschieht unendlich viel.

Weerasethakul
gelingt nicht weniger, als im Verlauf dieses rauschhaften Nachmittags den sinnlichen Daseinsgenuß selbst sichtbar zu machen, das unspektakuläre Wunder des Lebens ebenso wie dessen nie endenden Schmerz. Die Körper in der Hitze, umgeben von Blättergeflirr und Vogelgezwitscher, zeigen den Zustand kreatürlicher Existenz nicht als Reduktion menschlicher Möglichkeiten, sondern als Gelegenheit des Glücksempfindens. Zugleich werden die Figuren zu Beginn des Films über Andeutungen ihrer Lebensbedingungen rückgebunden an gesellschaftliche Machtverhältnisse – zu denen ihre individuellen Sehnsüchte im Widerspruch stehen.
Über Bilder eines einfachen Vergnügens einfacher Menschen hinaus schenkt einem Weerasethakuls verstörend schönes, frühes Meisterwerk so schließlich auch die Gewißheit, dass Momente des Glücks zwar fragil und flüchtig, doch immer präsent sind. Das ist so simpel wie erhaben.

Text: Alexandra Seitz

Tip-Bewertung: Herausragend

Blissfully Yours, Thailand 2002, Regie: Apichatpong Weerasethakul; 125 Minuten (ungekürzte Fassung); erschienen in der Revolver Edition bei filmgalerie 451

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