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„Die endlose Nacht“ von Will Tremper

Die endlose Nacht

„Du kannst nischt, Du bist nischt, dann fahr‘ nach Berlin!“ heißt es im aktuellen Film „Puppe, Icke & der Dicke“, und auch Klaus Lemke brachte Ähnliches kürzlich in „Berlin für Helden“ zum Ausdruck. Dass Berlin aber schon zu Zeiten als „Frontstadt“ ein Ort für Hasardeure und Selbstüberschätzer war, bringt treffend Will Trempers 1962 gedrehter Film „Die endlose Nacht“ auf den Punkt. Der ist mit seinen Improvisationen und spontan eingefangenen Momenten durchaus ein Vorläufer dieser beiden Filme, besticht allerdings auch mit eleganten Bildkompositionen in Schwarzweiß und Cinemascope. „Nebel über Tempelhof“ (so der jetzige Titelzusatz und ursprüngliche Titel des Films) legt den Flugverkehr lahm und führt in einer langen Nacht auf dem Flughafen für einen flüchtigen Moment Menschen zusammen, die sonst nichts miteinander gemein haben. Manche der Figuren bedienen Klischees, wie die Nachwuchsschauspielerin (Hannelore Elsner) oder der kurz vorm Bankrott stehende betrügerische Geschäftsmann (Harald Leipnitz), aber die Schauspieler machen das mit ihrem nuancierten Spiel wett, insbesondere Alexandra Stewart und Bruce Low, die weltgewandt-verspieltes Flair in die muffige Bürgerlichkeit bringen. Und wenn eine polnische Jazzcombo ein spontanes Konzert gibt, dann zeigt sich der Zeitungsreporter Tremper, der 1959 mit den Drehbüchern für „Die Halbstarken“ und „Endstation Liebe“ frischen Wind ins bundesdeutsche Nachkriegskino brachte, auf der Höhe seines Könnens. Die DVD ist hübsch ausgestattet mit schriftlichem Begleitmaterial und mehreren Interviews, wobei nur die salbungsvoll-selbstgefällige Art des Fragestellers bei Hannelore Elsner nervt.

Text: Frank Arnold

Foto: Universum Film GmbH

tip-Bewertung: Sehenswert

Die endlose Nacht, Bundesrepublik Deutschland 1962; Regie: Will Tremper. 82 Minuten + 54 Minuten Bonusmaterial. Erschienen bei moviemax/Universum

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