Fahnenflucht als Roadmovie

DVD-Premiere: „Stop-Loss“ von Kimberly Pearce

Je weiter 2008 der US-Wahlkampf voranschritt, desto stiller wurde es um den
Krieg im Irak. Auch Hollywood hat sich schon abgewendet, mangelndes
Zuschauer-Interesse hat den Krieg zum Kassengift gemacht. So konsequent wie
bedauerlich da die Entscheidung, Kimberly Pierce’ Film „Stop-Loss“ in
Deutschland nur als DVD-Premiere zu veröffentlichen.
Stop-Loss auf DVDWie der überlegene „Im Tal von Elah“ ist das eine Heimkehrer-Geschichte, auch für Regisseurin Pierce geht es um die Folgen des Krieges. Im Mittelpunkt eine Gruppe von US-Soldaten, gerade heimgekehrt aus dem Irak und in der ländlichen, texanischen Heimatstadt als Helden gefeiert. Unbeschadet ist von den Soldaten keiner, die meisten wollen jetzt, wie Brandon King (Ryan Phillippe), nur schnell und planmäßig ausmustern. Der Truppenbedarf und die kleingedruckte „Stop-Loss“-Klausel sehen aber anderes vor, die Soldaten sollen auch gegen ihren Willen wieder in den Krieg.

Fahnenflucht
als Road Movie: Kimberly Pierce zeigt nüchterne Bilder und montiert ein unerfreuliches Kaleidoskop aus ramponierten Veteranen, zynischem Militär, einem Untergrund aus Nicht-mehr-so-Freiwilligen und vielen Geschäftemachern. Formal uneben, aber voller Überraschungen: Texanische Eltern als mitfühlende Fluchthelfer, eine Reisebegleiterin als belastbare Vertraute, eine MTV-Produktion als sensible Bestandsaufnahme eines Landes in Zeiten des Krieges.

Text: Thomas Klein

tip-Bewertung: Sehenswert

Stop-Loss (USA 2008) 108 Minuten, Farbe, DVD mit Audiokommentar der Regisseurin Kimberley Peirce und K-Autor Mark Richard, Making Of, „Boot Camp“-Featurette und entfallenen Szenen. Erschienen bei Paramount Home Entertainment, ca. 19 Euro.

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