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Georges Méliès – „Die Magie des Kinos“

Während Auguste und Louis Lumière, die Erfinder des Kinematographen im Jahr 1895, selbigem bestenfalls eine Zukunft als wissenschaftliches Instrument voraussagten…GeorgesMelies_DieMagieDesKinos… und in der Inszenierung ihrer Filme vor allem das Alltägliche betonten („Die Arbeiter verlassen die Fabrik“), erkannte ihr Kollege Georges  Méliès sehr schnell den Unterhaltungsfaktor des neuen Mediums. Als Besitzer des Zaubertheaters Robert Houdin in Paris besaß er ein generelles Interesse an technischen Tricks und begann alsbald, die Möglichkeiten der Kamera zu erkunden. So entdeckte Mйliиs beispielsweise die Mehrfachbelichtung sowie den sogenannten Stopp-Trick, der nichts anderes war als der Filmschnitt in der Kamera. Nach eigener Aussage stieß der Regisseur durch Zufall darauf, als die Kamera einmal streikte und er beim Entwickeln des Films feststellte, dass sich beim Aufnehmen einer Straßenszene ein Pferde-Omnibus in einen Leichenwagen verwandelt hatte. Für erste „Kamerafahrten“ schob er Objekte auf die noch starr verankerte Kamera zu, er filmte „Unterwasserszenen“, indem er Modellschiffe in Aquarien untergehen ließ, und er war der erste Filmkünstler, der sich ein eigenes kleines Atelier baute.

Mйliиs‘ Arbeit als Zauberkünstler schlug sich auch in vielen trickreichen Abenteuer- und Märcheninszenierungen nieder: Varietйkünstler, Artisten sowie der Maestro selbst agieren darin zwischen fantastischen Pappkulissen, in denen ständig etwas explodiert – und der Stopp-Trick, mit dem man Dinge oder Menschen beliebig weg- oder herzaubern kann, findet häufige Anwendung. So auch in seinem vielleicht berühmtesten Film „Le voyage dans la lune“ („Die Reise zum Mond“, 1902), in dem Wissenschaftler sich per Riesenkanone auf den Erdtrabanten schießen lassen. Dort wohnen sie einer Ballettaufführung von Mondballerinen bei, lernen den Mondkönig kennen und entführen schließlich dessen Tochter, ehe sie sicher zur Erde zurückkehren.

In der Arthaus-Premium-Edition „Georges Méliès – Die Magie des Kinos“ finden sich jetzt auf zwei DVDs 29 der fantastischen Filme des französischen Kinopioniers sowie eine sehr solide und spannende Dokumentation über die aufwendige digitale Restaurierung einer bereits in Auflösung begriffenen Farbkopie von „Le voyage dans la lune“. Natürlich ist auch das Ergebnis (mit musikalischer Untermalung der Gruppe Air) im Set enthalten, ebenso wie eine Schwarzweiß-Version des Films.

Text: Lars Penning

Foto: Arthouse

tip-Bewertung: Herausragend

Georges  Méliès – Die Magie des Kinos, insgesamt 271 Minuten, 2 DVDs + ausführliches Booklet. Erschienen bei Arthaus

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