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„Miss Sophie“: Der Kultfilm „Dinner For One“ hat eine Prequel-Serie

Der Silvester-Klassiker „Dinner For One“ bekommt nach 62 Jahren eine Serienbehandlung: „Miss Sophie – Same Procedure As Every Year“ ist eine Komödie mit Krimi- und Romantik-Elementen – und starbesetzt: Neben Alicia von Rittberg in der Titelrolle treten unter anderem Kostja Ullmann, Moritz Bleibtreu, Frederick Lau und Wotan Wilke Möhring auf.

In „Miss Sophie“ ist natürlich auch das Tigerfell dabei, das in „Dinner For One“ eine wichtige Rolle spielt. Den Butler spielt Kostja Ullmann. Foto: Conny Klein; UFA FICTION
In „Miss Sophie“ ist natürlich auch das Tigerfell dabei, das in „Dinner For One“ eine wichtige Rolle spielt. Foto: Conny Klein; UFA FICTION

Was treiben Miss Sophie und ihr treuer Diener James, wenn sie am Ende des „Dinner for One“ die Treppe hochsteigen? Das Geheimnis wird in „Miss Sophie – Same Procedure As Every Year“ endlich gelüftet. Der Sechsteiler erzählt die Vorgeschichte des Sketches um den 90. Geburtstag der lebensfrohen und trinkfesten Lady und ihres treuergebenen Butlers, der seit mehr als fünf Jahrzehnten zu Silvester über die deutschen Bildschirme flimmert, als Mix aus Love-Story und Gesellschafts- und Kriminalkomödie.

Heiratswillig: Moritz Bleibtreu, Frederick Lau, Jacob Matschenz, Christoph Schechinger und Vladimir Koneev

Comedian Tommy Wosch, bei der UFA seit 2025 für das Fach verantwortlich, entwickelte die Idee für das Prequel, das Markus Sehr („Pastewka“) und Daniel Rakete Siegel („WaPo Bodensee“) in Szene setzten. Sie versammeln um die junge Sophie (Alicia von Rittberg), die seit dem Tod ihrer Eltern allein auf einem Landsitz in der Nähe von Eastbourne lebt, ein erlesenes Quintett von Freiern, die sie zu einem Wettkampf um ihre Hand anhält. Hochzeitswillig sind der Erbe einer bekannten französischen Champagnerdynastie Mr. Pommeroy (Moritz Bleibtreu), der Nachbar Mr. Winterbottom (Frederick Lau), der steinreiche Amerikaner Sir Toby (Jacob Matschenz) und Admiral von Schneider (Christoph Schechinger) aus einem uralten preußischen Adelsgeschlecht. Aber es gibt noch einen fünften Rivale, der heiß aussehende, aber vom Leben gebeutelte ungarische Graf Szabocz (Vladimir Koneev).

Miss Sophie hat nur Augen für den Butler

All ihre Mühen und der Mut, den sie bei den Tests beweisen, sind allerdings vergebens. Sophie hat nur Augen für den attraktiven Butler James (Kostja Ullmann), mit dem sie gemeinsam aufgewachsen ist. Eine Heirat der Turteltäubchen ist nicht nur auf Grund der Klassenschranken im England vor gut 100 Jahren ausgeschlossen. Sein Vater, Sophies ergebener Chefbutler Mortimer (Ulrich Noethen), bittet James auf dem Sterbebett, sein Glück dem Wohl von Sophie unterzuordnen. Und so verdingt sich James beim britischen König (Wotan Wilke Möhring).

In „Miss Sophie“ spielt Wotan Wilke Möhring den englischen König. Foto: Gordon Mühle
In „Miss Sophie“ spielt Wotan Wilke Möhring den englischen König. Foto: Gordon Mühle

„Ich habe erst mit 15 oder so geschnallt, was zwischen den beiden abgeht, wenn sie die Treppe hoch gehen,“ gesteht Moritz Bleibtreu nach der Präsentation der Serie beim Filmfest München. Ebenso ging es Kostja Ullmann: „Ich bin grundsätzlich ein Spätzünder. Ich glaube auch, dass viele Zuschauer bis heute nicht so richtig kapiert haben, was abgeht, wenn das Dinner beendet ist.“

Die beliebten Schauspieler outen sich als treue Anhänger des Silvester-Kultprogramms. Der Sketch gehörte schon in der Kindheit zum alljährlichen Ritual am letzten Tag des Jahres, und so ist es bis heute geblieben. Er sei sogar abergläubig und habe Angst, dass ihm der Himmel auf den Kopf falle, wenn er die Ausstrahlung verpasse, ergänzt Moritz Bleibtreu. „Er ist eine Lehrstunde in tollem Comedy-Acting. In den zehn Minuten steckt so viel Unausgesprochenes, das dazu einlädt, sich die Bälle in der Vorgeschichte zuzuschmeißen.“

Ehrfurcht vor dem Original hatte der Hamburger kaum. „Ich habe sofort begeistert zugesagt.“ Seinen Pommeroy gibt er mit leicht französischem Akzent als Schnösel, der seine Herkunft hinter seinem affektierten Gehabe versteckt. „Im Grunde seines Herzens ist er ein herzensguter, weltoffener und guter Kerl, was ich langsam herausarbeiten musste. Am Anfang umweht ihn so ein gewisses Mysterium, dann wird langsam sein Inneres aufgeblättert.“

Kostja Ullmann war gleich als schüchterner Diener angefragt, der hoffnungslos bis über beide Ohren verknallt ist. Er hätte sich aber in jeder Rolle wohlgefühlt, wie er gesteht. „Alle haben viel Futter, mit denen wir am Set spielen konnten.“ Die Freier schütten im Laufe der Tage James ihr Herz aus und suchen seinen Rat, um Miss Sophie zu erobern. Seine eigenen Gefühle muss er unterdrücken. „Es war total spannend, die Balance in seiner Persönlichkeit zu finden. Auf der einen Seite kennt er seinen Platz, auf der anderen ist er eifersüchtig und verliebt.“

Beide schwärmen von den Dreharbeiten. „Es war ein sehr leichtes, entspanntes Arbeiten,“ erzählt Moritz Bleibtreu. „Wenn eine Comedy beim Drehen anstrengend ist, ist es nie so ein richtig gutes Zeichen.“ Angefangen von espritreichen Dialogen voller Humor und Ironie über liebevolle Sidekicks wie einen prophetischen gallischen Gockel und Slapstickeinlagen bis zu liebevoll integrierten Kalauern hat die Serie alles, was das Komödienherz begehrt. Auch das Tigerfell, über das James mit vorrückender Stunde unter dem Einfluss von Hochprozentigem in „Dinner for One“ stolpert, ist in der Serie dabei.

Miss Sophie und ihre Liebhaber bleiben ein deutsches Phänomen, so britisch wie die Edgar-Wallace-Adaptionen der 1960er

Doch ohne eine Leiche scheint es in Deutschland nicht zu gehen, und so wird der Kreis der heiratswilligen Männer auf unnatürliche Weise dezimiert, über dem Werben der Freier liegt ein Schatten. Nicht nur Sophie und James, auch die fünf Freier haben ein persönliches Geheimnis, das sie entsprechend der moralischen Normen der westlichen Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts verstecken müssen.

Nicht nur die stets gut gelaunte Miss Sophie muss heiraten, um nicht den ererbten Besitz zu verlieren. Innerhalb dieser Konvention sucht sie ihren eigenen Weg, ganz im Geist der Klassiker von Jane Austen, der Mutter des romantischen Liebesromans. Dieser leichte Grundton wird durch das opulente und farbenfrohe Ambiente unterstrichen. Gedreht wurde, wie unschwer an den Gebäuden sofort zu erkennen ist, in Berlin und Brandenburg. Miss Sophie und ihre Liebhaber bleiben ein deutsches Phänomen, so britisch wie die Edgar-Wallace-Adaptionen der 1960er. Doch tief in ihrem Kern hat die Story offenbar einen universellen Kern und bedient den Traum von glücklichen Beziehungen zu Freunden und Partnern bis ans Ende ihrer Tage.

  • Miss Sophie – Same Procedure As Every Year D 2024, R: Markus Sehr, Daniel Rakete Siegel; D: Alicia von Rittberg, Kostja Ullmann, Moritz Bleibtreu u.a.; Prime Video ab 22.12., 6 Episoden, 34-47 Min

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