Neu auf Netflix

„Neues aus der Welt“: So gut ist der Hanks-Film mit Helena Zengel

Er ist eine Hollywood-Legende, sie ist Berlins neuster Schauspiel-Importschlager. Tom Hanks spielt im neuen Netflix-Film „Neues aus der Welt“ mit Helena Zengel. Die zwölfjährige aus der Hauptstadt wurde jüngst für einen Golden Globe nominiert. Wir haben ihr neustes Werk gesehen – und sagen euch, ob sich das einschalten lohnt.

Tom Hanks und die Berlinerin Helena Zengel in „Neues aus der Welt“. Foto: Foto: Bruce W. Talamon/Universal Pictures/Netflix

Tom Hanks gibt den lustigen Sonderling im Wilden Westen

Im Wilden Westen waren seltsame Gestalten ganz normal. Captain Jefferson Kyle Kidd ist allerdings auf eine ganz eigene Weise seltsam: Er liest alle Zeitungen, die er kriegen kann, und wird damit in Texas in den 1860er Jahren zu einem echten Sonderling. Seine Leidenschaft ist auch sein Beruf. Er tingelt von einem Ort zum nächsten, und macht aus seiner Lektüre etwas, was man heute vielleicht eine Lecture-Performance nennen könnten. Oder auch einen Stand-up-Act. Denn er liest nicht einfach vor, er unterhält das Publikum mit Geschichten, die einmal brandaktuell waren, nun aber, da sie in Texas bekannt werden, machmal schon wie Legenden wirken.

Captain Kidd ist die Hauptfigur in dem Film „Neues aus der Welt“ von Tom Greengrass, der am 10. 2. auf Netflix startet. In Deutschland ist man neben Tom Hanks, der die Hauptrolle spielt, mindestens so sehr an seiner Schauspielpartnerin interessiert: für die Rolle des Mädchens Johanna, für das Kidd unvermutet die Fürsorge zufällt, wurde Helena Zengel engagiert, eine Berlinerin, bekannt aus „Systemsprenger„.

Seit vergangene Woche bekannt wurde, dass Zengel für einen Golden Globe in der Kategorie Beste Nebendarstellerin nominiert ist, ist der Streaming-Start von „Neues aus der Welt“ noch zusätzlich aufgewertet worden. Eigentlich sollte der Film ins Kino kommen, nun wollte die Firma Universal nicht mehr warten, und hat einen VOD-Starz vorgezogen.

Plötzlich muss Captain Kidd (Tom Hanks) auf Johann auspassen – die Berlinerin Helena Zengel spielt das Mädchen. Foto: Bruce W. Talamon/Universal Pictures/Netflix

Zengels „Johanna“ spricht in „Neues aus der Welt“ die Sprache der Ureinwohner

Zumindest für die prächtigen Landschaften des Films lohnt es sich, wenn man einen Beamer hat oder zumindest einen einigermaßen großen Fernseher. Denn „Neues aus der Welt“ erzählt von einer Reise durch ein nahezu menschenleeres Land. Dass Kidd auf Johanna trifft, hat mit einem rassistischen Verbrechen zu tun, das man nur indirekt zu sehen bekommt.

Der Mann, der das Mädchen zu seinen Verwandten nach Castroville im Süden von Texas bringen sollte, wurde von radikalen Weißen getötet. Johanna wiederum ist ein traumatisiertes Kind, das bei dem Kiowas aufgewachsen ist, einem Ureinwohner-Stamm, von dem sie einst entführt wurde. Sie spricht kein Englisch, sondern nur die Indianer-Sprache, und später, in einem wichtigen Moment, erinnert sich an ein paar Brocken Deutsch.

Vorbild für Netflix-Film ist Paulette Jiles‘ Roman „News of the World“

Paul Greengress ging bei seiner Verfilmung von dem gleichnamigen Roman von Paulette Jiles aus: „News of the World“ ist so etwas wie ein Porträt der amerikanischen Gesellschaft unmittelbar nach dem Krieg, der die Vereinigten Staaten beinahe auseinander gerissen hätte. Texas war im Sezessionskrieg auf der Seite der „Verlierer“, entsprechend hielten sich danach noch viele Ressentiments gegen die Regierung in Washington, gegen die Befreiung der Sklaven und gegen alle Gruppen, die als nicht Weiß empfunden wurden. Kidd und Johanna durchqueren diese Nachkriegssituation, und treffen an einer wichtigen Stelle auf eine Art Gegengesellschaft, eine Enklave, in der ein Mann ein blutiges Reich errichtet (das Blut von den Büffeln, die ihrer Häute wegen getötet und zum Verrotten liegen gelassen werden).

Je düsterer die Umgebung ist, desto besser entwickelt sich das Verhältnis zwischen dem alten Mann und dem Mädchen. Mit wenigen Worten, wie sich das im Western gehört. Und im entscheidenden Moment weiß Johanna, was sie zu tun hat: Bei einer Schießerei in felsiger Landschaft hilft sie Kidd aus der Patsche.

Helena Zengel schließt an Rolle in „Systemsprenger“ an

Helena Zengel schließt im Grunde an die Rolle des wilden Kindes aus „Systemsprenger“ an. Nur ist Johanna auf eine stille Weise „wild“. Heutige Sensibilitäten verbieten es auch, das Schicksal ihrer Entführung zu drastisch mit Gewaltphantasien aufzuladen, wie das in einem Klassiker wie „Der schwarze Falke“ („The Searchers“) noch der Fall war. In „Neues aus der Welt“ ist das ausdrucksstarke Gesicht von Zengel ihr wichtigstes Mittel, um Johanna zu charakterisieren.

Letztlich ist der Film auf Netflix auch gut aufgehoben. Ein später Western, der in einem gemächlichen Tempo erzählt, und alle wichtigen Stationen noch einmal abklappert, die zu der großen Tradition des Genres gehören. Ohne dass noch einmal wirklich ein Gefühl für den Ernst aufkommt, mit dem einst im Wilden Westen um die menschliche Zivilisation gekämpft wurde.

„News of the World“ (OT), USA 2020; R: Paul Greengrass; D: Tom Hanks, Helena Zengel; Streamingstart: 10. 2. 2021 auf Netflix


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