Netflix-Überraschungshit „Unfamiliar“ führt in ungewöhnliche Abgründe der Spionage
„Unfamiliar“, abrufbar seit Anfang Februar, stürmt die Netflix-Charts. Die Kritik zur spannenden Serie über ein BND-Safehouse in Berlin

Früher mal waren Meret und Simon Schäfer (Susanne Wolff und Felix Kramer) Außenagenten, die im Auftrag des Bundesnachrichtendienstes (BND) fremde Agenten jagten. Jetzt leben sie im vermeintlichen Ruhestand in Berlin, betreiben jedoch nach wie vor ein Safehouse im Auftrag des Dienstes, eine Art Abklingbecken für Überläufer und Ausgebrannte.
Die gemeinsame 16-jährige Tochter Nina (Maja Bons) findet, dass Mama und Papa saulangweilige Spießer sind. Für die Eltern ist das Auftauchen des russischen Agenten Josef Koleev (Samuel Finzi) eine eher unangenehme Überraschung. Koleev hat mit den Schäfers noch eine Rechnung offen. Grundlage der Geschichte sind ein Auftrag in Weißrussland, der vor Jahren schief gegangen ist – und die Suche nach einem Maulwurf in den eigenen Reihen. Bald sind ein britisches Killerkommando, russische Agenten und der eigene Dienst – in Form des ehemaligen Kollegen Klein (Henry Hübchen) – hinter der Familie her.
„Unfamiliar“: Atemlose Verfolgungsjagden, harte Actionszenen und familiäres Drama
Vor dem Hintergrund der deutschen Hauptstadt entwickelt sich ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel, bei dem man niemanden vertrauen kann, mit atemlosen Verfolgungsjagden, harten Actionszenen (Susanne Wolff ist verblüffend) und glänzend inszenierten Schießereien. Im Vordergrund bleibt jedoch immer auch das familiäre Drama.
Ohne große Werbung wurde die Serie am 5. Februar gestartet, nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda entwickelte sie sich zum Überraschungshit. Zehn Tage nach dem Start hatte „Unfamiliar“ schon weit über zehn Millionen Abrufe, an den Wochenende lässt sie regelmäßig klassische Netflix-Hits wie „Bridgerton“ und „Lincoln Lawyer“ hinter sich auf den Plätzen. Die deutsch-französische Koproduktion (Regie: Lennart Ruff und Philipp Leinemann) ist hervorragend geschrieben (Chefautor: Paul Coates) und ausgesprochen gut gespielt. Selbst die Computereffekte, speziell was das Altern der Figuren betrifft, sind hervorragend.
Das Berlin der Serie besteht nur aus den üblichen Berlin-Bildern
Einziger Kritikpunkt: „Unfamiliar“ sieht etwas zu sauber und international gewollt aus, eben genau so wie nahezu jede anderen Netflix-Serie auch, das Berlin der Serie besteht nur aus den üblichen Berlin-Bildern. Ungewöhnliche lokale Akzente – wie kürzlich in der polnischen Agentenserie „Eastern Gate“ oder der irischen Thrillerkomödie „How To Get To Heaven From Belfast“ – fehlen komplett.
Trotzdem: „Unfamiliar“ ist eine ungewöhnlich gute deutsche Serie, bei der man sich jetzt schon auf eine – bisher nur angedeutete – Fortsetzung freuen kann.
- Unfamiliar Netflix, seit 5.2., 6 Episoden, 49-58 Min
Der Großmeister des Genres: Hier sind die Berliner Schauplätze von John Le Carrés Romanen. Von legendären Kinos bis zu Drehorten: Diese 12 Orte sollte jeder Filmfan in Berlin gesehen haben. Eindrucksvolle Kulissen: Internationale Filmemacher haben diese Drehorte in Berlin aufgesucht, um ihre Visionen auf die Leinwand zu bringen. Er baut die Filmwelten von Wes Anderson: Zu Besuch in der Neuköllner Werkstatt des Miniaturbauers Simon Weisse. Abschied von den Riesen? Diese Berliner Alternativen zu Netflix und Prime solltet ihr euch ansehen.