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„Stromberg – Der Film“ im Kino

Stromberg - Der Film

Bernd Stromberg ist ein Paradox. Obwohl er ganz weit oben auf der Liste der Fernseh-Unsympathen steht, hat sich beim Zuschauer im Verlauf der fünf Staffeln „Stromberg“ eine gewisse Zuneigung zum Leiter der Abteilung Schadensregulierung der fiktiven Versicherungsgesellschaft Capitol entwickelt. Nun gibt es also einen durch Crowdfunding finanzierten Kinofilm. Natürlich wird dieser den Fernsehgeruch nie ganz los und man darf sich fragen, ob nach etlichen Folgen Faxen vom politisch unkorrekten Karrieristen-Chef noch ein 100-Minüter nötig ist, der im Grunde ja nicht viel mehr sein kann als eine lange, auf Hochglanz polierte „Stromberg“-Episode. Und doch macht dieser Film einfach Spaß und präsentiert am Ende einen Clou, der die eingeschränkte Pro7-Dramaturgie übersteigt.  
Der von Christoph Maria Herbst gespielte Stromberg ist in Hochform, gibt dem Fernsehteam – das den Mikrokosmos „Schadensregulierung“ ebenso wie in der Serie mit der Kamera begleitet – so herrliche O-Töne wie: „Eine Firma ist wie eine Ehefrau. Die fickt einen noch, wenn man es gar nicht mehr erwartet.“ Abgesehen vom überhaupt hervorragend besetzten Büropersonal hatte insbesondere Strombergs Widerpart, der neurotische Bilderbuchidiot Ernie Heisterkamp (Bjarne Mädel), der Serie stets amüsante Höhepunkte beschert. In den besseren Folgen schrappt Ernie häufig gerade so an der Grenze zur Karikatur entlang, bleibt aber trotz seiner Lächerlichkeit eine glaubwürdige Figur. In den eher mäßigen Folgen – und leider auch im Film – wirkt er überzeichnet, hier wäre weniger vielleicht mehr gewesen. Unterhalb der ätzenden Komik aber meint man zuweilen ein kritisches Moment zu entdecken. Denn im Grunde ist Bernd Stromberg ein moderner „Herr Karl“, der insofern an die von Helmut Qualtinger und Carl Merz geschaffene Figur des opportunistischen Kleinbürgers erinnert, als er gleich diesem ein moralisch flexibler Wendehals ist. Nach oben buckelnd, nach unten tretend, laviert er sich so durch. Stromberg würde im Akkord Mitarbeiter entlassen, wenn es ihn voranbrächte, aber er mutiert auch zum Gegner der Chefetage, wenn die Luft ganz oben einmal dünn wird.

Text: Christoph David Piorkowski

Foto: Brainpool / Willi Weber

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Stromberg – Der Film“ im Kino in Berlin

Stromberg – Der Film?, Deutschland 2013; Regie: Arne Feldhusen; Darsteller: Christoph Maria Herbst (Bernd Stromberg), Bjarne Mädel (Berthold „Ernie“ Heisterkamp), Oliver K. Wnuk (Ulf Steinke); 120 Minuten; FSK k. A.

?Kinostart: 20. Februar?

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