Biopic-Drama

„Stronger“ im Kino

Ikone wider Willen: Das Leben nach dem Bomben­anschlag beim des Boston-Marathon

Studiocanal/ Scott Garfield

Am 15. April 2013 explodierten zwei Sprengsätze auf der Zielgeraden des Boston-Marathons, töteten drei Menschen und verletzten über 200 weitere. Dem 27-jährigen Jeff Bauman, der an der Strecke stand, um seine Freundin Erin anzufeuern, wurden durch die Detonation beide Beine weggerissen. „Stronger“ basiert nun auf Baumans Autobiografie.

Eigentlich will Jeff, ein etwas unzuverlässiger Kindskopf, nur seine Freundin anfeuern, doch als er nach der Amputation beider Beine im Krankenhaus aufwacht und dem FBI Hinweise zur Identifizierung der Attentäter gibt, wird Jeff zum Helden wider Willen. Zu einem Symbol dessen, was später den Begriff „Boston Strong“ prägt.

Doch Jeff hat ganz andere Probleme als in die Rolle eines Nationalhelden zu schlüpfen. ­Seine Freundin schwankt zwischen ehrlicher Liebe und falsch verstandenem Mitleid, seine Mutter hat ein Alkoholproblem und lässt sich nur zu gern von dem Rummel um ihren Sohn beeindrucken. Und natürlich: Jeff muss ­lernen, ins Leben zurückzufinden. Das eigentlich Heldenhafte findet nicht vor TV-Kameras oder bei Gedenkveranstaltungen statt, sondern zu Hause, in der qualvollen Reha, im ­banalen Alltag, in dem alles fremd geworden ist. Und befremdlich.

„Stronger“ widersteht (von kleinen pathetischen Ausnahmen abgesehen) dem Impuls, dem tapferen Bauman ein allzu glänzendes Denkmal setzen zu wollen. Jake Gyllenhaal präsentiert eindrücklich die Zerrissenheit und Widersprüchlichkeit eines jungen Mannes, der so gerne kein Held oder Symbol geworden wäre.

Stronger USA 2017, 119 Min., R: David Gordon Green, D: Jake Gyllenhaal, Tatiana Maslany, Start: 19.4.