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„Sturm“ von Hans-Christian Schmid im Wettbewerb der Berlinale

Sturm„Wir haben uns in die großen Themenkomplexe Völkerrecht und Balkankriege eingearbeitet und dann Figuren entwickelt, die die Leidenschaft und Integrität der Vorbilder spiegeln, die wir beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag gefunden haben.“
Auf der Pressekonferenz anlässlich der Weltpremiere seines Films „Sturm“ im Wettbewerb der Berlinale erläuterte Regisseur und Ko-Autor Hans-Christian Schmid seine Motive, eine ermittelnde Staatsanwältin des Tribunals in den Mittelpunkt eines Dramas um Gerechtigkeit und politische Kompromisse zu stellen. Hannah Maynard (Kerry Fox) will die Verbrechen eines serbischen Generals gegen bosnische Zivilisten, vor allem Frauen, aufklären und stößt dabei auf eine in Berlin lebende Zeugin (Anamaria Marinca), deren Aussage dem stockenden Verfahren eine neue Dimension hinzufügen würde. Die Anklägerin gerät in ein Dilemma zwischen dem Zeitdruck wegen des ablaufenden UNO-Mandats für Den Haag und der  politischen Kompromissbereitschaft der EU, die juristische Aufarbeitung der Kriegsverbrechen zugunsten einer Aufnahme der Balkanstaaten zurückzustellen, sie muss sich für ihr Gerechtigkeitsgefühl oder den von ihrem Freund und EU-Diplomaten (Rolf Lassgеrd) ausgehandelten Deal mit den Anwälten der Verteidigung entscheiden. Nach einer eher schwachen Plot-Konstruktion zu Beginn gewinnt „Sturm“ vor allem durch seine beiden Hauptdarstellerinnen an emotionaler Überzeugungskraft. Man könne den Film als „Hoffnungsgeste“ verstehen, so Hans-Christian Schmid auf der Pressekonferenz, dass die UNO einer Verlängerung des Mandats für das Haager Tribunal über das Jahr 2010 hinaus zustimmt.

Text: Claudia Lenssen

Sturm, Deutschland 2009, Berlinale-Wettbewerb; Regie: Hans-Christian Schmid; Darsteller: Kerry Fox, Anamaria Marinca, Stephen Dillane, Rolf Lassgеrd, Alexander Fehling; Farbe, 110 Minuten

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