Dokumentarfilm

„Sunset over Hollywood“ im Kino

Die Erinnerungen sind noch ziemlich präzise, auch wenn die Bewohner des „Motion Picture & Television Country Home“ in Los Angeles nun wirklich nicht mehr die Jüngsten sind. Connie Sawyer, die älteste von ihnen, ist Jahrgang 1912, trat noch 2013 in der Serie „Ray Donovan“ auf (und starb mit 105 Jahren im Januar 2018).

Foto: Axel Schneppat

Die 1942 von der Filmindustrie in Los Angeles errichtete Residenz soll ehemaligen Angehörigen der Filmbranche einen sorgenfreien Lebensabend ermöglichen. Daniel Selznick, Sohn des Produzenten David O. Selznick, erinnert sich an die Besuche von Alfred Hitchcock Ende der 30er-Jahre im Elternhaus, Wright King sieht noch einmal die Szene aus „Endstation Sehnsucht“ (1951), wo er von Vivien Leigh geküsst wird. Zur Fortbewegung mögen sie manchmal Hilfsmittel benötigen, aber geistig sind sie noch äußerst aktiv, in einem Kurs für Kreatives Schreiben spinnen sie „Casablanca“ fort, um nicht zuletzt zu lernen, die eigenen Erinnerungen für die Nachfahren und die Nachwelt festzuhalten. Dabei sprudeln die Ideen nur so, während  dem Regisseur Jerry Sedley Kaufmann und einigen der ehemaligen Schauspieler die Möglichkeit gegeben wird, im hauseigenen Filmstudio selbstgeschriebene Kurzfilme zu inszenieren.

Zwischen Vergangenheit und Gegenwart spielt sich das Leben dieser Menschen ab, köstlich, wenn der ehemalige Produzent Joel Rogosin und seine Ehefrau Deborah sich über den Titel des Ratgeberbuches für Eheleute streiten, das sie gemeinsam verfassen wollen, wobei er von seiner Wichtigkeit höchst überzeugt ist und sie beim Erzählen immer wieder unterbricht, was die früherer Psychotherapeutin mit stoischer Gelassenheit erträgt. Der Autor Tony Lawrence hat hier sogar eine neue Liebe gefunden und geheiratet. Ein einfühlsames Porträt ist Uli Gaulke („Comrades in Dreams“) hier gelungen. Frank Arnold

Sunset over Hollywood D 2018, 97 Min., R: Uli Gaulke, Start: 23.5.

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