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„Survival of The Dead“ im Kino

Im Zombie-Genre noch wirklich originelle Setzungen zu machen, ist nicht einfach: Remakes („Dawn of The Dead“), Aktualisierungen („28 Days Later“) und Satiren („Shaun of The Dead“, „Zombieland“) haben die Welt der Untoten bis in den letzten Winkel der Hollywood Hills erkundet. Remake, Aktualisierung und Satire, das alles zugleich ist auch „Survival of The Dead“, der sechste Film, den der ruhelose Urvater des modernen Zombie-Kinos, George A. Romero, seinen untoten Helden und ihren Widersachern gewidmet hat. Auf einem kleinen Eiland vor der US-Atlantikküste streiten hier zwei Großfamilien um die richtige Zombie-Strategie. Während der eine Clan für die Sofort-Liquidierung der Infizierten eintritt, streben die anderen nach halbwegs friedlicher Koexistenz. Angekettet in den Küchen, Ställen oder Kinderbetten leben die Zombies weiter mit ihren Familien zusammen, während die gesunden Verwandten versuchen, ihnen den Hunger nach Menschenfleisch auszutreiben.
Die gewitzte Neuordnung des Themenkatalogs des Genres ist Romeros Spezialität. Die soziopolitischen Motive, die sich in seinem Werk zeigen, während auf der Leinwand die Körper kreativ und obszön zerteilt werden, waren nie Überinterpretationen eifriger Fans, sondern von ihm selbst in die Filme hineingelegte Ideen. „Night of The Living Dead“ (1968) unternahm die radikale Neuinterpretation eines Stoffes, der 1932 mit „White Zombie“ noch als atmosphärisches B-Picture inszeniert worden war. Romero betonte den subproletarischen Charakter der Horrorfiguren, stellte ihnen deklassierte Außenseiter gegenüber und machte nebenbei Ängste des amerikanischen Establishments vor den sozialen Revolten sichtbar. Am Ende von „Night of The Living Dead“ wird sein schwarzer Held nicht von den Zombies, sondern von einer weißen Bürgerwehr ermordet. Der Film wurde zum Prototypen der modernen Nightmare Movies, die ihre Helden in apokalyptischen Szenarien mit sich alleine lassen. Der Auftakt einer Trilogie, die davon handelte, wie sich gesunde, „operative Gesellschaft“ und Zombies in wechselnden Kräfteverhältnissen gegenüberstehen.
Die neue Trilogie (siehe Interview) variiert diese Themen erneut, und ist dabei nun bei der Auflösung des selbstzerstörerischen Patriarchats angekommen: Die heimlichen Heldinnen des Films sind eine schwarze, lesbische Soldatin und eine Inseltochter, die gegen ihren dominanten Vater aufbegehrt, der bereit ist, auch noch die zombifizierten Nachbarskinder zu ermorden. So gewitzt wie Romero hat lange niemand mehr die Frage gestellt, was die einfache Formel „Wir gegen sie“ alles bedeuten kann.

Text: Robert Weixlbaumer

tip-Bewertung: Sehenswert

Zeiten und Orte: „Survival of The Dead“ im Kino in Berlin

Lesen Sie hier: Ein Interview mit Regisseur George A. Romero

Survival of The Dead, USA/Kanada 2009; Regie: George A. Romero; Darsteller: Kathleen Munroe (Janet/Jane O‘Flynn), Athena Karkanis (Tomboy), Alan van Sprang (‚Nicotine‘ Crocket); Farbe, 86 Minuten

Kinostart: 6. Mai

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