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„Swansong“ im Kino

SwansongWenn in „Swansong“ der jugendliche Austin, kurz: Occi, lachend auf dem Fahrrad durch irische Dorfstraßen flitzt, sieht alles nach Idylle aus. Doch gilt für die Titelfigur des Films das Gegenteil. Erzogen von einer alleinerziehenden Mutter im erzkonservativen Irland der 1970er Jahre, ist der Junge ständig Ziel von Hänseleien. Dass er ein Spätentwickler ist, bietet eine weitere offene Flanke – und Austin reagiert zunehmend mit Gewalt auf all die Kränkungen.

Aus der Perspektive des erwachsen gewordenen Antihelden erzählt der Film von Conor McDermottroe in Rückblenden von einem Leben im sozialen Abseits und den seelischen Auswirkungen. Eindringlich spürt Hauptdarsteller Martin McCann den psychischen Grauwerten eines borderlinegefährdeten Charakters nach und verleiht seiner Figur eine schlüssige, physisbetonte Dimension. Darin erinnert Austin an literarische Vorlagen des Sozialdramas wie „Woyzeck“. Im Theater liegt auch der Ursprung des Skripts, das der Filmemacher aus einem eigenen Bühnenstück ableitete. Davon kann sich der Film nie ganz lösen: Schwach beleuchtete Räume und graubetonte Farben lassen die Bilder sonderbar kraftlos wirken. Lebendigkeit erhält der Film durch ein starkes Schauspielerensemble.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Projektor Filmverleih

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Swansong“ im Kino in Berlin

Swansong Irland/Deutschland 2009; Regie: Connor McDermottroe; Darsteller: Martin McCann (Occi Byrne), Jodie Whittaker (Bridget Byrne), Marcella Plunkett (Mary); 87 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 18. August

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