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Berlinale 2017

T2 – Trainspotting 2: Interview mit Schauspieler Jonny Lee Miller

„Die 90er waren ein großer Spaß“ – 20 Jahre nach „Trainspotting“ blicken Männer mittleren Alters in T2 Trainspotting auf eine wilde Jugend zurück. Schauspieler Jonny Lee Miller über Haaransätze, Überraschungen und Regisseur Danny Boyle

T2 Trainspotting Wettbewerb 2017 GBR 2017 von: Danny Boyle Ewan McGregor, Jonny Lee Miller © Sony Pictures Releasing GmbH

tip Mr. Miller „Trainspotting – Neue Helden“ liegt inzwischen über 20 Jahre zurück. Ist es nicht ein bisschen spät für eine Fortsetzung?
Jonny Lee Miller Finde ich nicht. Ehrlich gesagt macht es nur so für mich überhaupt Sinn. Was soll eine Fortsetzung, wenn gar ­keine Zeit seit dem ersten Teil vergangen ist? Interessant wird es doch erst, wenn die Figuren sich verändert haben und man gar nicht anders kann, als etwas vollkommen anderes zu erzählen als beim ersten Mal. Natürlich spielt ­Nostalgie eine Rolle bei „T2 Trainspotting“, auch hinter den Kulissen. Aber für mich war es wichtig, dass es eine ganz neue, eigene Geschichte gibt.

tip Wenige Filme der 90er-Jahre stehen so exemplarisch für ihre Zeit und werden so kultisch verehrt wie „Trainspotting“. Wie haben Sie die Zeit erlebt, in der der Film damals in die Kinos kam?
Jonny Lee Miller Ehrlich gesagt habe ich damals versucht, so großen Abstand wie möglich zu der Sache zu haben. Gar nicht so sehr bewusst, aber vieles von dem Kult ging irgendwie einfach an mir vorbei, was sicher auch nicht schlecht war. Aber ganz allgemein waren diese letzten Jahre der 90er ja ein großer Spaß. Allen voran die Musik, oder?

tip Haben Sie und Ihre Kollegen über die ­Jahre den Kontakt gehalten?
Jonny Lee Miller Für eine Weile ja. Aber das verlief sich auch irgendwann wieder. Mit Bobby (Robert Car­lyle, Anm. d. Red.) habe ich mich am ehesten regelmäßig ausgetauscht. Aber auch den hatte ich zuletzt zehn Jahre nicht mehr gesehen.

tip Aber vermutlich war immer klar, dass es die Fortsetzung nur mit allen geben wird, oder?
Jonny Lee Miller Für mich war das ausgemachte Sache. Als es irgendwann tatsächlich konkreter wurde, war uns allen wichtig, was die anderen von dem Drehbuch hielten. Kaum jemand hatte irgendjemandes Telefonnummer, deswegen schrieben wir uns teilweise gegenseitig auf Twitter an.

tip Wie war es denn, als Sie das neue Drehbuch das erste Mal lasen? Irgendwelche Überraschungen?
Jonny Lee Miller Oh ja, ziemlich viele sogar. Was ich richtig großartig fand, denn das war es, was ich mir von dem Film erhoffte. Natürlich hatte ich mir im Vorfeld überlegt, was mich wohl erwarten würde. Aber das Skript war dann viel cooler als alles, was ich mir hätte ausmalen können.

tip Apropos cool: Sind die Figuren noch so cool wie damals?
Jonny Lee Miller Meine ist es nicht mehr – und das ist auch gut und wichtig so. Sick Boy möchte nicht mehr Sick Boy sein, sondern Simon. So wirklich will ihm das allerdings nicht gelingen, eigentlich steckt er fest. Er ist immer noch blond gefärbt. Doch sagen wir es mal so: der Haaransatz ist dieses Mal ziemlich sichtbar. Der Lack ist ab, und es ist nicht zu übersehen, dass man nicht 20 Jahre später noch genauso leben kann wie damals, ohne dass es Folgen hat. Zu viel will ich nicht verraten, und das gilt so auch erst einmal nur für meine Figur. Aber ich verspreche nicht zu viel, wenn ich sage, dass auch der neue Film seine ganz eigene Coolness hat.

tip Was war denn Ihr persönlicher Höhepunkt beim Wiedersehen mit den alten Weggefährten?
Jonny Lee Miller Das ganze Ding war eine starke Nummer. Und es war vor allem klasse, dass es nicht einfach eine Reunion war, sondern dass wir wirklich alle zusammen an etwas Neuem gearbeitet haben. Aber speziell das Wiedersehen mit Ewan McGregor war schon sehr besonders. Wir haben gefühlt direkt dort weiter gemacht, wo wir ­damals aufgehört hatten, was wirklich ein ­ungewöhnlich großer Spaß war.

tip Hat Regisseur Danny Boyle sich in all den Jahren eigentlich sehr verändert?
Jonny Lee Miller Kaum, würde ich sagen. Wir haben uns allerdings auch zwischendurch gesehen und sogar zusammen gearbeitet. Vor fünf Jahren spielte ich in London eine der Hauptrollen in seiner Inszenierung von „Frankenstein“, was ein einzigartiges Erlebnis war. Tatsächlich würde ich sagen, dass Danny sowohl im Kino als auch am Theater für die besten Erfahrungen meiner Karriere verantwortlich war.

tip Was macht seine Arbeit denn so außergewöhnlich?
Jonny Lee Miller Er ist besessen von der Wahrheit, der Wahrhaftigkeit seiner Geschichte und ihrer Figuren. Er ist enorm gewissenhaft in der Vorbereitung und den Proben. Und seine Energie ist vor allem schier unerschöpflich. Anders als damals beim ersten Teil oder bei unserer Theaterarbeit ­setzte er sich nun bei „T2 Trainspotting“ zwar auch ab und zu mal hin. Aber im Grunde ist er rastlos, wenn er an einem Projekt arbeitet.

tip Bat er zur Vorbereitung auch darum, den ersten Teil noch einmal zu sehen?
Jonny Lee Miller Ich erinnere mich nicht daran, dass er uns dazu aufforderte. Aber das musste er auch nicht, denn das verstand sich von selbst.

tip Und wie fanden Sie es, den Film mal ­wieder zu sehen?
Jonny Lee Miller Ich war stolz. Und bin es noch. Gar nicht so sehr auf meine eigene Leistung. Sondern darauf, Teil eines derart besonderen Films zu sein, der – wie alle guten Kunstwerke – bis heute nichts von seiner Kraft eingebüßt hat.

Trainspotting 2 bei der Berlinale 2017

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