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„Taffe Mädels“ im Kino

Taffe Mädels

Die pedantische Agentin Ashburn (Sandra Bullock) ist das schwarze Schaf des FBI. Dieser Umstand rührt nicht etwa daher, dass ihr Habitus mit dem machohaften Kodex der bundespolizeilichen amerikanischen Behörde unvereinbar wäre. Im Gegenteil, Ashburn setzt kleidungs- und sprachstilistisch voll auf Mimikry ihrer männlichen Kollegen; von denen wird sie denn auch nicht aufgrund ihrer biologischen Weiblichkeit, sondern wegen ihrer mangelhaften Sozialkompetenz geschnitten. Die überkompensatorisch narzisstische Agentin gehört zu jener Sorte Mensch, die einen früher in der Schule nie hat abschreiben lassen. Sie setzt darauf, dass jeder nach klaren Regeln spielt.
Ganz anders dagegen die irische White-Trash-Straßenpolizistin Mullins (Melissa McCarthy), die sich mit dem Charme eines Pflastersteins durchs Revier prügelt, eine Panzerfaust im Kühlschrank aufbewahrt und ihren Boss laut krakeelend bezichtigt, ein hodenloser Duckmäuser zu sein. Wie es das Skript dieser „gegenderten“ Bullen-Buddy-Komödie vorsieht, müssen die zwei ungleichen Frauen zusammenarbeiten, um irgendeinen Drogenboss dranzukriegen. Zunächst reibt sich die Hosenanzug tragende Korinthenkackerin unentwegt an ihrem pöbeligen Widerpart. Aber natürlich färben die beiden „taffen Mädels“ irgendwann aufeinander ab. Die anfänglichen Differenzen sind bald überwunden. Und so heizen „The Heat“ – so der Originaltitel des Films – dem jeweiligen XY-Ensemble auf beiden Seiten des Gesetzes ein.
Der wenig subtile Haudrauf-Humor, für den die eigentlich auf Sitcoms abonnierte Drehbuchautorin Katie Dippold sowie das exaltierte Schauspiel von Bullock und McCarthy verantwortlich zeichnen, ist dabei der Kitt einer komplett belanglosen Geschichte. Oder umgekehrt: Die in wenigen Sätzen erzählte Handlung dient allein als Aufhänger, um die witzige Konfrontation der „taffen Mädels“ in Szene zu setzen. Wer Sandra Bullock erträgt und der ständig explodierenden Melissa McCarthy in „Brautalarm“ etwas abgewinnen konnte, für den ist diese klassische Action-Komödie ein kurzweiliger Genre-Spaß. Alle anderen amüsieren sich zusammengefasst höchstens auf Trailer-Länge.

Text: Christoph David Piorkowski

Foto: 2013 Twentieth Century Fox

tip-Bewertung: Uninteressant

Orte und Zeiten: „Taffe Mädels“ im Kino in Berlin

Taffe Mädels (The Heat), USA 2013; Regie: Paul Feig; Darsteller: Sandra Bullock (Special Agent Sarah Ashburn), Melissa McCarthy (Det. Shannon Mullins), Demiбn Bichir (Hale); 118 Minuten; FSK 12

Kinostart: 4. Juli

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