Dokumentarfilm

„Tango zu Besuch“ im Kino

Tango – der von Mythen umrankte Sehnsuchtstanz wird längst nicht mehr nur von „Jackie Brown und Baby Miller“ (aus dem Schlager „Kriminal-Tango“ von 1959) getanzt

Real Fiction

Doch im Gegensatz zu anderen Modetänzen scheint es sich bei der Tangoszene um eine verschworene Gemeinschaft zu handeln, was wohl mit den erwähnten Mythen um Erotik, Tristesse und verklärte Tuchfühlung zu tun hat. Und ja, auch in Freiburg wird dem Wiegeschritt gefrönt. „Denn auch wenn sie seine Sprache nicht ganz verstanden, machten sie ihn zu ihrem Lebensmittelpunkt“ – so raunt es am Anfang des Films poetisch.

Wir sehen Paare, die sich – mal herzhaft ­zupackend, mal zögerlich angeschmiegt – über die Tanzfläche schieben, und lernen fünf begeisterte Tangotänzer und -tänzerinnen kennen: Helena findet die Szene ein bisschen humorlos, für Ruben haben die europäischen Frauen einen zu eigenen Kopf, sie lassen sich nicht einfach so führen. Christian findet beim Tango einen anderen Teil seines Ichs, Joscha hat das Ritual zum Beruf gemacht, und ­Susanna sind die Rollen zu festgeschrieben. Und dann ist Tango-Marathon in Freiburg.

Die Malerin, Installationskünstlerin und Filmemacherin Irene Schüller zeigt in ihrem Film: Zwischen Nähe und Distanz, Improvisation und Regelwerk spielt sich vor allem in den Köpfen der Beteiligten so einiges ab – was aber nicht zwingend tangospezifisch sein dürfte. Ob der Tanz nun glücklich oder unglücklich macht, muss wohl jeder und jede für sich entscheiden. So wie bei dieser teilnehmenden Beobachtung der Funke womöglich überspringt – oder eben nicht.

Tango zu Besuch BD 2017, 52 Min., R: Irene Schüller, Start: 1.3.

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